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IS-Terror:Aktivisten melden Hinrichtungen in Palmyra

  • Der Syrischen Beobachtungstelle für Menschenrechte zufolge hat die Terrormiliz IS seit der Einnahme Palmyras 17 Menschen hingerichtet.
  • In der Oasenstadt Tadmor halten sich möglicherweise noch mehrere Zehntausend Menschen auf. Die humanitäre Situation ist nach Angaben der Aktivisten schwierig.
  • IS-Terroristen erobern den letzten Grenzübergang der noch unter Kontrolle des Assad-Regimes war zwischen Syrien und dem Irak.

Zahl der Opfer von Hinrichtungen auf 66 gestiegen

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben der syrischen Opposition in der Stadt Tadmor - das antike Palmyra - mindestens 17 Menschen getötet. Darunter seien Mitglieder der syrischen Sicherheitskräfte, Soldaten und Allierte des Regimes, gab die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bekannt.

Einige der Opfer seien enthauptet worden. Die sunnitische IS-Miliz hatte Palmyra am Mittwoch erobert. Zuvor tötete sie der Beobachtungsstelle zufolge bei ihrem Vorrücken insgesamt 49 Menschen in derUmgebung der historischen Stadt. Damit sei die Zahl der Hinrichtungen in der Region seit Beginn der IS-Offensive vor wenigen Tagen auf insgesamt 66 gestiegen.

Möglicherweise noch mehrere Zehntausend Menschen in Palmyra

Die humanitäre Lage in Palmyra sei schwierig, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman. Das Regime habe mehrere Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Aktivisten des Medienzentrums Palmyra berichteten, die Terrormiliz habe eine Ausgangssperre verhängt und durchkämme die Häuser auf der Suche nach Regierungsanhängern.

Laut den Menschenrechtsbeobachtern gibt es in Palmyra seit vier Tagen keinen Strom und auch weder Wasser noch medizinische Versorgung. Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in Palmyra aufhalten. Den Aktivisten zufolge sind noch mehrere Zehntausend Menschen in der Stadt. Die Angaben der Aktivisten zur Lage in der Stadt ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Sorge um antike Stätten

Der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien hat weltweit große Sorge um das Unesco-Weltkulturerbe in der historischen Wüstenstadt Palmyra ausgelöst. Eine Zerstörung der archäologischen Stätten Palmyras wäre nach Einschätzung von Unesco-Chefin Irina Bokowa ein "enormer Verlust für die Menschheit".

Aktivisten aus der Stadt erklärten, bislang habe es keine Zerstörungen gegeben. Der Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde, Mamun Abdul-Karim, sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, Hunderte Statuen seien vor dem IS-Einmarsch an einen sicheren Ort gebracht worden.

Die Extremisten kontrollieren nach den Geländegewinnen in Zentralsyrien jetzt mehr als 50 Prozent der Landesfläche.

Letzter Grenzübergang zum Irak von IS erobert

Das IS-Herrschaftgebiet erstreckt sich vor allem über den Norden und Osten Syriens. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Wüstengebiete. Auch im benachbarten Irak kontrollieren sie riesige Regionen. Dort hatten sie im Westen des Landes am vergangenen Wochenende die Provinzhauptstadt Ramadi eingenommen. Die Terrormiliz beherrsche nun auch fast alle Öl- und Gasfelder Syriens, erklärten die syrischen Menschenrechtsbeobachter. Die Extremisten finanzieren sich hauptsächlich aus dem Verkauf von Öl.

Aktivisten zufolge soll die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) inzwischen den letzten noch von den syrischen Streitkräften kontrollierten Grenzposten an der Grenze zum Irak erobert haben. "Der IS hat den Grenzposten Al-Tanaf erobert, nachdem sich die syrischen Truppen zurückgezogen haben", erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die syrische Regierung habe nun "keine Kontrolle mehr über ihre Grenze zum Irak".

© SZ.de/AFP/dpa/cmy
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