IrlandLiberaler Erdrutsch

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In Dublin feiern Frauen am Wochenende das Ende des strengen Abtreibungsrechts. Bis zum Jahresende will die Regierung das neue Gesetz einbringen. Spannung verspricht der baldige Papstbesuch.

Von Cathrin Kahlweit, London

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Spontane Straßenpartys und Ausnahmezustand in Dublin: Frauen feiern das Ergebnis des Referendums zum Abtreibungsrecht.
Spontane Straßenpartys und Ausnahmezustand in Dublin: Frauen feiern das Ergebnis des Referendums zum Abtreibungsrecht. Clodagh Kilcoyne/Reuters

Ende August wird der Papst in Irland erwartet; es ist die erste Reise eines Kirchenoberhaupts in die Republik seit fast vier Jahrzehnten. In der Frage der Abtreibung ist Papst Franziskus, bei vielen anderen Themen eher liberal, ein Konservativer: 2016 hatte er Schwangerschaftsabbrüche als "grauenhafte Verbrechen" bezeichnet, allerdings Priestern auch aufgetragen, diese "Sünde" zu vergeben.

Insofern dürfte es ein durchaus spannungsreicher Besuch werden, wenn der Papst demnächst auf die Insel kommt. Denn am vergangenen Freitag haben 66 Prozent der Iren in einem Referendum dafür gestimmt, den 8. Verfassungszusatz zu streichen, der Müttern und Föten gleiche Rechte zugesteht und damit Abtreibung in der Republik Irland unter Strafe stellt. Das Ergebnis wird von den Befürworten der Kampagne für eine Liberalisierung des strengen Abtreibungsrechts als Sensation gefeiert, hatten doch alle Umfragen ein knappes Ergebnis oder gar ein mögliches Scheitern der Abstimmung vorhergesagt.

Vom kommenden Jahr an sollen Abtreibungen bis zur zwölften Woche legal sein

Seit 35 Jahren steht es in der Verfassung, dass Föten grundsätzlich nicht abgetrieben werden dürfen; erst seit wenigen Jahren gilt die Ausnahme, dass Abbrüche legal sind, wenn das Leben der Mutter akut in Gefahr ist. Weil das Ja so unerwartet deutlich ausfiel, befanden sich viele irische Kommunen, vor allem aber die Hauptstadt am Wochenende im Ausnahmezustand; überall fanden spontane Straßenpartys statt, Frauen formierten sich zu Demonstrationszügen und marschierten zum Parlament, wo die Regierungsmitglieder feierten, allen voran Premier Leo Varadkar und Gesundheitsminister Simon Harris, der das neue Gesetz vorgelegt hatte.

Auch im Ausland, in den irischen Exil-Communities, wurde gefeiert. Viele Frauen waren zudem aus aller Welt nach Hause geflogen, um ihre Stimme bei dieser historischen Abstimmung abgeben zu können; die, die sich die weiten Anreisen nicht leisten konnten, wurden teilweise per Crowdfunding im Netz unterstützt.

Nun also ist alles anders, bis zum Jahresende will die Regierung, die das Referendum initiiert und unterstützt hatte, das neue Gesetz einbringen. Vom kommenden Jahr an sollen dann Abtreibungen bis zur zwölften Woche legal sein. Die Oppositionsparteien haben zugesichert, dass sie der Initiative im Parlament keine Steine in den Weg legen würden.

Vorausgegangen war dem Erdrutschsieg der Ja-Aktivisten eine Debatte über Moral und Recht. Die Gegner der Kampagne waren, unterstützt von der katholischen Kirche, Fundamentalisten und Evangelikalen aus den USA, mit den Argumenten in den Kampf gezogen, dass das Lebensrecht mit der Zeugung beginne und Abtreibung Mord sei. In Irland stehen - bis dato - auf Abtreibung und Hilfe dabei 14 Jahre Haft. Die Befürworter einer Abschaffung des 8. Verfassungszusatzes argumentierten, Frauen würden in ihren Menschenrechten beschnitten und einer grausamen Behandlung ausgesetzt. Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, räumte in seiner Sonntagspredigt nun ein, viele Gläubige hätten das Gefühl, der Kirche fehle es an Mitgefühl. Sie müsse wieder zeigen, dass ihr das Leben von allen Menschen wichtig sei. Er meinte damit in diesem Fall offenbar die irischen Frauen.

© SZ vom 28.05.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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