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Irans Präsident vor der UN:So weit die Wut ihn trägt

Mit seiner Rede vor der UN-Vollversammlung hat Irans Präsident Ahmadinedschad den Westen provoziert. Wirkung erzielen wollte er aber in der islamischen Welt, vor allem in seiner Heimat. Denn dort ist seine Macht nicht mehr unangefochten

Die Welt, so dozierte der iranische Präsident am Pult der Vereinten Nationen, den linken Zeigefinger erhoben, sollte von Menschen regiert werden, die es an Tugendhaftigkeit mit den Propheten aufnehmen könnten. Die UN-Generalversammlung ist eine große Bühne, und in dem dort jährlich immer wieder gespielten Stück sind einige Rollen fest vergeben. Der Mann aus Teheran mit dem Sieben-Tage-Bart gehört dabei zu den Märchenerzählern und den Provokateuren, vor deren Auftritten sich - wie auch diesmal - beispielsweise der deutsche Außenminister vorher überlegt, lieber gar nicht erst im Saal anwesend zu sein.

UN-Vollversammlung - Mahmud Ahmadinedschad

Inszenierung für den verhassten Westen: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei der UN-Vollversammlung.

(Foto: dpa)

Im vergangenen Jahr polemisierte Ahmadinedschad gegen Israel, drohte dem jüdischen Staat auch direkt und sah im übrigen "komplizierte Netzwerke" am Werk, die die Welt dominieren würden. Diesmal ließ er seiner Lust an Verschwörungstheorien gar besonders freien Lauf. Alles also wie immer? Der Mann aus Teheran haut auf die Pauke, und die Diplomaten packen ihre Papiere ein und räumen die Plätze? Mahmud Ahmadinedschad macht auch diesen Protest gegen seine politischen Provokationen noch zum Teil einer wohlkalkulierten Inszenierung.

Denn die Bühne, die der iranische Präsident zu bespielen wünscht, ist nicht der Saal der Vereinten Nationen. Der Mann aus Teheran möchte nur zu gern die islamische Welt beeindrucken, wo Amerikas "Kampf gegen den Terror" nach dem 11. September vielerorts das Gefühl verstärkt hat, auf der Verliererseite zu stehen.

Der arabische Sender al-Dschasira führte am Freitag denn auch gleich zahlreiche Studien auf, die zeigen, wie viele Menschen im Nahen Osten immer noch glauben, nicht al-Qaida stecke hinter den tödlichen Attacken vom 11. September, sondern zum Beispiel Israel. 31 Prozent waren dies in Jordanien, Israels Nachbar mit mehrheitlich palästinensischer Bevölkerung, nach einer Umfrage der University of Maryland im Jahr 2008.

Nur: Ein nuklear gerüstetes Iran wird inzwischen auch in den meisten arabischen Staaten als Bedrohung empfunden, zumindest von den Regierenden, weshalb sich beispielsweise die Golfstaaten, einschließlich Saudi-Arabien, in den USA demnächst mit modernsten F-15- Kampfjets, Apache-Helikoptern und Kriegsschiffen eindecken wollen.

Ahmadinedschads Bühne steht aber auch in Teheran, der Auftritt in New York gilt besonders den Adressaten dort. Der iranische Präsident hat in jüngster Zeit verstärkt die Außenpolitik als Feld zur eigenen Profilierung entdeckt. Und dies umso mehr, seitdem ein interner Machtkampf in Teheran an Fahrt gewinnt. Konservative Kleriker waren zuletzt alles andere als begeistert von Ahmadinedschad, der deren Macht nur zu gern beschneiden möchte - allerdings nicht mit dem Ziel einer Liberalisierung des Regimes. Beobachter sehen eher eine Militarisierung Irans.

Seine eigene Diplomatie

Mit vier Sonderbotschaftern für den Nahen Osten, Afghanistan, den Kaukasus und Asien betreibt Ahmadinedschad inzwischen seine eigene Diplomatie, vorbei an Außenminister Manutschehr Mottaki und vor allem auch vorbei am Geistlichen Führer Ali Chamenei. Dem ist dies bereits übel aufgestoßen. "Parallele Diplomatie ist nicht akzeptabel", beschied Chamenei jüngst.

Wichtigster Berater unter den vier von Ahmadinedschad Erwählten ist sein enger Vertrauter Esfandiar Rahim Maschai. Von dem heißt es, der Präsident habe ihn schon als persönlichen Nachfolger ausgesucht, denn Ahmadinedschad darf nach zwei Amtsperioden, wie es die iranische Verfassung vorschreibt, nicht mehr zur Wahl antreten. Auch diese Art der Machtsicherung scheint vielen in Teheran nicht zu behagen. Maschais Ernennung zum Vizepräsidenten jedenfalls hat Chamenei, dessen Aufgabe eigentlich der politische Ausgleich sein sollte, bereits blockiert. Der Ausgang des von außen gewöhnlich schwer durchschaubaren Ringens in Teheran scheint offen zu sein. Da könnte es nützlich sein, in New York den starken Mann zu geben.

Dritter Adressat von Ahmadinedschads Provokation aber ist US-Präsident Barack Obama persönlich. Der Iraner sähe sein Land gern im Zentrum der Welt und sich selbst, wie er vor der Reise in die USA mehrmals sagte, an einem Tisch mit Obama - in einer Debatte "von Mann zu Mann" vor TV-Kameras.

Dass Obama ein solches Spektakel auch nur erwägen könnte, war nie zu erwarten. Amerika hat die jüngste und bislang schärfste UN-Sanktionsrunde gegen Iran wegen seines Atomprogramms durchgesetzt. Die Wirkung der Sanktionen ist mittlerweile deutlich spürbar. Das Verhältnis zwischen Teheran und Washington dürfte sich so schnell nicht verbessern.

Mahmud Ahmadinedschad

Holocaustleugner mit Heiligenschein