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Angebliches Mordkomplott in den USA:Warum Obama Iran abstrafen muss

Die Story ist so abenteuerlich, dass sich kaum ein Drehbuchautor darauf einlassen würde. Und doch kann sie die Wiederwahl von Barack Obama gefährden. Wenn Iraner tatsächlich versucht haben, auf amerikanischem Boden den saudi-arabischen Botschafter töten zu lassen, muss der US-Präsident jetzt handeln. Er muss demonstrieren, dass er durchgreifen kann. Das Wort "Dialog" ist aus Washingtons Maßnahmenkatalog gestrichen.

Hillary Clinton hat recht. "Das kann doch niemand erfinden, oder?" So fragte Amerikas Außenministerin, nachdem ihre Regierung das perfide Komplott enthüllt hatte: Geführt an Strippen aus Teheran wirbt ein Iraner mit US-Pass einen Profikiller aus Mexikos Drogenkrieg an, um mitten in der Hauptstadt der Weltmacht den Botschafter des verbündeten Saudi-Arabien per Bombe zu liquidieren.

President Obama delivers remarks at an American Latino Heritage F

Barack Obama muss jetzt gegen Iran durchgreifen, denn straft der Präsident den Feind in Nahost nicht ab, würde er selbst zu einem politischen Opfer des geplanten Attentats.

(Foto: dpa)

Kaum ein Buchverlag mit Renommee, kein Hollywood-Studio von Ruf würde sich auf ein derartig absurdes Skript einlassen. Die Mächtigen von Irans Islamischer Republik (oder zumindest eine Fraktion in Teherans zersplittertem Machtapparat) haben es jedoch gewagt. Sie haben, schrecklich real, den Mordplan gekauft. Und sind nun, enttarnt per FBI-Operation "Chevrolet", bis auf die Knochen blamiert.

Keine Bombe ist explodiert, kein Blut wurde vergossen. Und doch ist der Schaden enorm. Washington scheint überzeugt zu sein, dass die Attentatspläne in sehr hohen Gefilden des Regimes abgesegnet worden sind. Die Lage zwischen Amerika, der Weltmacht, und Iran, der Regionalmacht am Persischen Golf, ist damit ungefähr wieder so angespannt wie vor gut dreißig Jahren.

Damals hielten radikale Islamisten 52 US-Bürger in Geiselhaft, 444 Tage lang. Zur Erinnerung: Die hilflose Wut ob dieser Erniedrigung trug zu jener Zeit erheblich dazu bei, dass Präsident Jimmy Carter seine Wiederwahl verlor. Ronald Reagan obsiegte - Minuten nach seiner Amtseinführung kamen die Geiseln frei.

Seither gilt Härte den meisten Amerikanern als einzig richtige Weise, mit Iran umzugehen. Das war nicht immer der Weg, den Barack Obama gehen wollte. Seine "ausgestreckte Hand" nach dem Amtseid im Januar 2009 war ernst gemeint - und wurde doch von niemandem in Teheran je ergriffen.

Das suspekte Atomprogramm läuft weiter, das Regime befeuert nach wie vor den Terror gegen Israel, und es unterdrückt ungerührt wie eh und je die eigene Bevölkerung. Weil auf Obamas Angebot zum Gespräch nie ein Echo aus Teheran erklang, tauchte das Wort "Dialog" seither nur noch selten auf in Washingtons Maßnahmenkatalog. Seit Dienstag ist es gestrichen.

Die Obama-Regierung wird der Welt die Indizien des vereitelten Verbrechens präsentieren - und sie wird verlangen, die drakonischen Handelshürden und Kontosperren gegen Vertreter des Regimes weiter zu verschärfen. Niemand im Westen weiß genau, ob und wie diese Sanktionen die Machtkämpfe im Inneren der Islamischen Republik beeinflussen. Aber das ist, vorerst jedenfalls, selbst für einen Vernunft-Politiker wie Obama zweitrangig: Straft der Präsident den Feind in Nahost jetzt nicht ab, würde er selbst zu einem politischen Opfer des geplanten Attentats.

Denn in Amerika herrscht wieder Wahlkampf. Die Umfragen sagen nichts Gutes für Obama. Vor allem die chronisch hohe Arbeitslosigkeit zieht den Demokraten in den Keller. Einzig sein internationaler Kurs - genauer gesagt: seine riskanten, aber erfolgreichen Schläge gegen Osama bin Laden und al-Qaida - bescheren dem Präsidenten noch breite Zustimmung im Volk. Sollte er jetzt gegenüber den Mullahs Schwäche zeigen, wäre auch sein letzter Nimbus dahin.

Obama steckt in der Klemme. Seit Dienstag schwillt die Kritik der Republikaner an, Obama habe mit seinem angeblich zu weichen Kurs die Finsterlinge in Iran ermutigt, sich mit ihren Terrorplänen bis an den Potomac vorzuwagen. Das ist zwar absurd, aber der Vorwurf droht zu verfangen. Gleichzeitig weiß der Präsident sehr wohl, dass ihm Teheran die Aussichten auf eine Wiederwahl vermiesen kann.

Obama hat versprochen, bis zum Wahltag Zigtausende Soldaten aus zwei Nachbarländern Irans - aus Irak und Afghanistan - heimzuholen. Teheran kann mit Hilfe verbündeter Netzwerke beide Länder leicht destabilisieren. Irans Skript ist perfide, aber real.