Insel ChargEin Nadelöhr für Irans Öl

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Die Insel Charg ist Irans wichtigster Ölhafen.
Die Insel Charg ist Irans wichtigster Ölhafen. EUROPEAN SPACE AGENCY/AFP
  • In der Nacht zu Samstag bombardierte die US-Armee die iranische Insel Charg, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.
  • Die Ölinfrastruktur blieb bei dem Angriff unbeschädigt, jedoch wurden Luftverteidigungsanlagen, ein Marinestützpunkt und Flughafeneinrichtungen getroffen.
  • Iran droht mit Gegenangriffen auf Ölanlagen in der Golfregion, falls die USA oder Israel die Ölinfrastruktur auf Charg angreifen sollten.
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Der US-Angriff auf Charg erregt weltweit Aufmerksamkeit. Warum ist die Insel im Persischen Golf so bedeutend für Iran und die Ölindustrie? Die wichtigsten Fakten.

Von Christoph Heinlein

In der Nacht zu Samstag hat die US-Armee Charg bombardiert, eine strategisch wichtige iranische Insel im nordwestlichen Persischen Golf. International erregt der Angriff viel Aufmerksamkeit, denn Charg ist der mit Abstand wichtigste Ölhafen Irans. Sollte die Infrastruktur für den Ölexport beschädigt oder zerstört werden, hätte das wohl gravierende Auswirkungen auf dem Ölmarkt – auch weil Iran für diesen Fall Gegenangriffe gegen Energieanlagen in der Golfregion ankündigt. Die wichtigsten Informationen zur Insel und ihrer Bedeutung für Irans Ölwirtschaft:

Warum ist Charg wichtig?

Über die Insel werden 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt. Sie liegt 30 Kilometer vor der iranischen Küste und etwa 750 Kilometer nordwestlich der Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem ‌Golf von Oman verbindet und durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels geht. Die Gewässer um Charg sind tief genug für Supertanker, die in den flachen Küstengewässern des Festlandes nicht anlegen können.

Wie viel Öl exportiert Iran?

Iran ‌ist der drittgrößte Produzent in der Opec, der Gemeinschaft erdölexportierender Staaten, ‌und fördert etwa 4,5 Prozent des weltweiten Ölbedarfs. Die Produktion beläuft sich auf etwa 3,3 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, dazu kommen 1,3 Millionen Barrel
Kondensat und andere Flüssigkeiten. Ein Großteil des von Charg aus verschifften Öls geht nach China, dem weltweit größten Rohölimporteur. Daten des Tanker-Trackers Kpler zufolge macht iranisches Öl in diesem Jahr 11,6 Prozent der chinesischen See-Importe aus. Trotz des Krieges, der am 28. Februar von Israel und den USA begonnen wurde, hat Iran nach Daten von TankerTracker.com und Kpler weiterhin zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Barrel pro Tag exportiert.

War die Ölinfrastruktur auf Charg Angriffsziel der USA?

Bisher nicht. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur
Fars berichtete unter Berufung auf Insider, dass während der US-Angriffe mehr als 15 Explosionen auf Charg zu hören waren. Demnach wurden Luftverteidigungsanlagen, ein Marinestützpunkt und Flughafeneinrichtungen getroffen, die Ölinfrastruktur blieb jedoch unbeschädigt. US-Präsident Trump teilt mit, er habe auf eine Vernichtung dieser Anlagen vorerst verzichtet, droht jedoch, sie ins Visier zu nehmen, sollte Iran die Straße von Hormus weiter sperren.

Was würde eine Zerstörung der Ölanlagen auf der Insel bedeuten?

Selbst kleinere Störungen des komplexen Netzwerks aus Pipelines, Terminals und Lagertanks auf Charg könnten das weltweite Angebot an Erdöl weiter verknappen und den Druck auf einen bereits volatilen Markt erhöhen. „Wenn man die Infrastruktur von Charg ausschaltet, nimmt man zwei Millionen Barrel pro ‌Tag für immer vom Markt“, sagte Dan Pickering, Investmentchef bei Pickering Energy Partners, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Wie reagiert Iran?

Einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge hat die Regierung in Teheran wohl mit einem Angriff gerechnet – und sich vorbereitet. Demnach wurden die meisten der Öltanks auf Charg in den vergangenen Wochen geleert. Für den Fall, dass die USA oder Israel die Ölinfrastruktur auf der Insel tatsächlich angreifen sollten, kündigt das Mullah-Regime Gegenangriffe auf Ölanlagen in der gesamten Golfregion an.

(Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters)

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