Naher Osten Der Fluch alter Wunden

Machtdemonstrationen in der Region am Golf: Aufmarsch iranischer Marineinfanteristen bei einer Militärparade in Teheran.

(Foto: Behrouz Mehri/AFP)
  • Im Konflikt mit Iran fährt US-Präsident Trump eine harte Linie.
  • Dabei haben die Amerikaner mit dem Einmarsch in den Irak 2003 selbst zur Stärkung des Landes beigetragen.
  • Beide Seiten wollen einen militärischen Konflikt vermeiden - es steigt aber die Furcht vor einer Eskalationsspirale, die nur schwer zu stoppen wäre.
Von Paul-Anton Krüger

Nimmt man die Worte von US-Präsident Donald Trump für bare Münze, ließe sich die Krise zwischen Amerika und Iran ganz einfach entschärfen. "Was sie machen sollten, ist, mich anzurufen, sich hinzusetzen. Wir können einen Deal machen, einen fairen Deal", sagte er Donnerstagabend im Weißen Haus, während der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln gerade aus dem Suezkanal ins Rote Meer einlief und B-52-Bomber zu einem US-Stützpunkt nach Katar flogen. "Wir wollen nur, dass sie keine Atomwaffen haben - das ist ja wohl nicht zu viel verlangt." Dann würde Amerika Iran helfen, wieder gut in Form zu kommen, wie Trump sich ausdrückte. Einen Militärschlag aber könne er auch nicht ausschließen, stellte er zugleich klar.

Die maximale Drohkulisse kombiniert mit einem Angebot, das eigentlich zu gut ist, um es auszuschlagen - für den Geschäftsmann Trump mag das eine klare Sache sein. Doch in den 40 Jahren seit der Islamischen Revolution haben sich auf beiden Seiten traumatische Erfahrungen angehäuft. Die Revolution fegte 1979 in Schah Reza Pahlavi einen der engsten Verbündeten der Amerikaner in der Region hinweg. Seither hat sich eine Feindschaft verfestigt, die ein maßgeblicher Faktor in der Machtarchitektur der Region zwischen dem Persischen Golf und der Levante ist.

Beide Seiten verbindet ein Dreivierteljahrhundert blutiger Geschichte

Die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran 1979, der Anschlag auf die Kasernen der US Marines in Beirut 1983 mit 241 toten GIs, die Angriffe schiitischer Milizen auf US-Soldaten im Irak nach der Invasion 2003 - diese Attacken nennen US-Offizielle immer wieder, um die Islamische Republik als Terrorregime zu brandmarken.

Politik Iran Warum in Iran kein Aufstand in Sicht ist
Islamische Republik

Warum in Iran kein Aufstand in Sicht ist

Die US-Sanktionen gegen Iran verschärfen die Lage im Land. Und doch bleiben regierungskritische Großdemonstrationen aus. Das hat mehrere Gründe.

In Iran reichen die Beschwernisse noch weiter zurück - bis 1953. Damals stürzte die CIA den gewählten Premier Mohammed Mossadegh, die USA stützten anschließend die blutige Diktatur des Schahs, der als Marionette der Amerikaner galt. Oder die US-Hilfe für den irakischen Diktator Saddam Hussein im acht Jahre währenden Golfkrieg, in dem Hunderttausende Iraner getötet wurden, Raketen auf Iran regneten und der Irak Chemiewaffen einsetzte. Antiamerikanismus gehört zum Kern der Ideologie der Islamischen Republik, die USA sind der große Satan, dem in Sprechchören beim Freitagsgebet allwöchentlich der Tod gewünscht wird.

Dieses Dreivierteljahrhundert Geschichte zu entwirren oder hinter sich zu lassen wird erschwert durch die Konflikte der beiden Staaten in der Region. Schon 1982 stellten die Revolutionsgarden in der von Syrien besetzten Bekaa-Ebene in Libanon die Hisbollah zum Kampf gegen Israel auf - dem engsten Verbündeten der USA in der Region. Heute gilt die Hisbollah als kampfstärkste Miliz der Welt und dient dem iranischen Regime als Speerspitze in Syrien. Amerika galt seit dem Golfkrieg 1990 als unangefochtene Ordnungsmacht im Nahen Osten. Diese Position hat es nicht etwa durch das Atomabkommen verloren, sondern durch den mit Lügen gerechtfertigten Einmarsch 2003 im Irak - zu dessen glühendsten Verfechtern schon damals John Bolton zählte, der heutige Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump.

Mit dem Einmarsch in den Irak stärkten die USA Iran

Die US-Armee gelangte in einer im Januar veröffentlichten Studie zum Ergebnis, der Krieg habe "tiefgreifende geopolitische Konsequenzen" nach sich gezogen. Ein "ermutigter und expansionistischer Iran scheint der einzige Sieger zu sein", schreiben die Autoren. Irak, das traditionelle Gegengewicht, sei "im besten Falle entmannt, und im schlimmsten Falle handeln Schlüsselelemente seiner Regierung als Stellvertreter für iranische Interessen". Gestärkt hat den Einfluss Irans noch der Kampf gegen die Dschihadisten des Islamischen Staats. Schiitische Milizen unter iranischer Kontrolle haben sich fest etabliert.

So gelang dem schiitischen Iran, was Israel und sunnitisch geprägte US-Verbündete in der Region wie Saudi-Arabien lange befürchtet haben: sich als Regionalmacht zu etablieren. Und mit seiner Militärpräsenz im syrischen Bürgerkrieg einen schiitischen Halbmond von Iran über den Irak nach Syrien und Libanon zu schlagen, wie es einst Jordaniens König Hussein formulierte. Dazu kommen die Unterstützung Irans für militante Palästinensergruppen im Gazastreifen gegen Israel, dessen Vernichtung die Revolutionsgarden in Parolen auf ihren Raketen fordern, und der Rückhalt für die Huthis in Jemen. Die bieten seit mehr als vier Jahren Saudi-Arabien die Stirn, feuern Raketen bis nach Riad und haben das Königreich in einen Abnutzungskrieg verstrickt, der Geld und Reputation kostet, aber nicht zu gewinnen ist.