Iran Todesurteil mit 17, Hinrichtung mit 23

Die verurteilte Mörderin Delara Darabi ist in Iran exekutiert worden - zuvor hatte sie ihre Unschuld beteuert. Ihre Eltern durften sich von ihrer Tochter nicht verabschieden.

In Iran ist eine zum Tatzeitpunkt noch minderjährige Straftäterin hingerichtet worden. Ihr Name: Delara Darabi.

Vergeblicher Protest: Demonstranten vor der iranischen Botschaft in London setzten sich bis zuletzt für Delara Darabi ein

(Foto: Foto: AFP)

Nach sechs Jahren Haft sei das Todesurteil wegen Mordes gegen die 23-Jährige in der Stadt Rascht vollstreckt worden, sagte ihr Anwalt Mohammad Mostafaei an diesem Samstag der Nachrichtenagentur AP.

Die junge Frau starb an diesem Freitag im Gefängnis der Stadt Rascht am Galgen.

Die Vollstreckung der Todesstrafe an minderjährigen Tätern sei eine grobe Verletzung internationalen Rechts, erklärte ihr Anwalt. Die Familie habe zudem entgegen geltendem iranischen Recht nicht von ihrer Tochter Abschied nehmen dürfen.

Darabi war für schuldig befunden worden, 2003 einen Cousin ihres Vaters ermordet zu haben. Zunächst hatte sie das Verrechen laut Amnesty in dem Glauben gestanden, damit ihren Freund vor dem Strang bewahren zu können.

Später hatte sie ihr Geständnis widerrufen und beteuert, sie sei unschuldig. Sie gab an, die Verantwortung für das Verbrechen übernommen zu haben, weil sie dachte, dass sie als Minderjährige nicht zum Tode verurteilt werden könne. Im Februar 2007 bestätigte der Oberste Gerichtshof das Todesurteil gegen Darabi.

Während der jahrelangen Haft hatte die junge Frau mit ihren ausdrucksstarken Kunstwerken auch international für Aussehen gesorgt.

Amnesty nannte das Verfahren unfair. Das Gericht habe Beweise nicht in Betracht gezogen, die nach Angaben der Verteidigung belegen, dass sie die Tat gar nicht habe begehen können.

Auch die Europäische Union verurteilte die Hinrichtung in scharfer Form. Mit Blick auf das Alter zum Tatzeitpunkt erklärte die tschechische Ratspräsidentschaft, die Exekution verstoße gegen internationale Verpflichtungen, die der Iran freiwillig eingegangen sei. Die EU hatte zuvor schon mehrfach an den Iran appelliert, keine Minderjährigen mehr hinzurichten.

Menschenrechtsorganisationen hatten bereits bei der Verurteilung der 17-jährigen Darabi heftig protestiert. Nun erklärte Amnesty International, nicht einmal ihr Anwalt sei von der Hinrichtung zuvor in Kenntnis gesetzt worden.

Mit diesem "zynischen Schachzug" habe der Iran anscheinend versucht, nationalen und internationalen Protesten zuvorzukommen. Sie sei exekutiert worden, obwohl der Chef der Justiz ihr zuvor einen zweimonatigen Aufschub der Hinrichtung gewährt habe.

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden damit seit Jahresbeginn bereits zwei junge Häftlinge in Iran hingerichtet, die zum Tatzeitpunkt noch nicht volljährig waren.

Nur China exekutiert mehr Menschen als Iran

Teheran hat mehrere internationale Abkommen unterzeichnet, die die Hinrichtung minderjähriger Straftäter untersagen, unter anderem den UN-Zivilpakt und die Kinderrechtskonvention.

Der Iran ist laut Amnesty International hinter China das Land, in dem am meisten Todesurteile vollstreckt werden.

Zudem werden in Iran laut Menschenrechtsgruppen mehr Jugendliche hingerichtet als in allen anderen Ländern der Welt. Außer in Iran gibt es auch in Saudi-Arabien, im Jemen, in Pakistan und im Sudan Hinrichtungen von unter 18-Jährigen.