Iran:Teheran will Straße nach hingerichtetem Schiiten-Führer benennen

  • Der Teheraner Stadtrat denkt nach der Hinrichtung des Geistlichen Nimr darüber nach, ihn mit der Umbennenung einer Straße zu ehren.
  • Der bekannte Schiit hatte lange in Iran gelebt und in Saudi-Arabien die Unterdrückung der schiitischen Minderheit angeprangert.

Nach der Massenhinrichtung in Saudi-Arabien, bei der auch der schiitische Geistliche Nimr al-Nimr exekutiert wurde, denkt Iran über eine spezielle Maßnahme nach. Informationen der International Business Times zufolge will der Teheraner Stadtrat am Dienstag darüber beraten, ob er die Straße, auf der sich die saudi-arabische Botschaft befindet, in "Sheik Nimr" umbenennt.

1981 hatte Iran schon den Namen der Straße, in der die britische Botschaft in Teheran ansässig war, von "Winston Churchill Boulevard" in "Bobby Sands Street" geändert - um damit an das frühere Mitglied der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) zu erinnern.

Der bekannte Geistliche Nimr hatte lange in Iran gelebt und in Saudi-Arabien die Unterdrückung der schiitischen Minderheit angeprangert. Am Samstag war er mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorismusvorwürfen hingerichtet worden.

Proteste in mehreren Ländern

Daraufhin flammten Proteste unter Schiiten in mehreren Ländern auf:Im schiitisch dominierten Iran stürmte eine aufgebrachte Menge die saudi-arabische Botschaft, und die Staatsführung äußerte heftige Kritik an dem Königreich. Dies nahm Riad zum Anlass, die diplomatischen Beziehungen zum Iran abzubrechen.

Auch im Irak gingen in der Provinz Al-Wasit Hunderte auf die Straße und forderten die Schließung der saudischen Botschaft in Bagdad. In Bahrain und dem indischen Teil Kaschmirs demonstrierten insgesamt Tausende gegen Nimrs Hinrichtung.

Der oberste geistliche und politische Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, drohte den Politikern des sunnitischen Saudi-Arabiens mit der "Rache Gottes". Auch die einflussreichen iranischen Revolutionsgarden kündigten "scharfe Vergeltung" an. Beide Länder konkurrieren um die Vormachtstellung in der Region.

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