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Iran:Schattenkrieg

Die Unfälle in den strategischen Anlagen können kein Zufall sein.

Von Paul-Anton Krüger

Erst fliegt in einer Raketenfabrik bei Teheran mitten in der Nacht etwas derartig gewaltig in die Luft, dass die halbe iranische Hauptstadt aus dem Schlaf gerissen wird. Dann knallt es eine Woche später in der Urananreicherungsanlage Natans, dem Kernstück des Atomprogramms der Islamischen Republik. Es müsste schon sehr viel Zufall im Spiel sein, wenn in diesen beiden strategisch bedeutenden Einrichtungen ein Gasleck und vielleicht noch ein verschmortes Kabel die Auslöser gewesen sein sollten.

Belege stehen noch aus, aber die Vermutung liegt nahe, dass Sabotage im Spiel gewesen sein könnte. Die USA haben mit Cyberattacken Irans Urananreicherung lahmgelegt und auch der eine oder andere Fehlschlag im Raketenprogramm ist womöglich so zu erklären. Israels Mossad hat, nach allem, was man weiß, mehrere iranische Nuklearwissenschaftler in Iran umgebracht. Das Regime in Teheran wiederum schreckt weder vor Terror zurück noch vor Cyberattacken auf Israels Wasserversorgung, Angriffen mit Marschflugkörpern und Drohnen auf Saudi-Arabiens Ölindustrie und der Sabotage von Öltankern.

Der Schattenkrieg zwischen den Geheimdiensten und militärischen Spezialeinheiten dürfte auf eine neue, gefährliche Phase zusteuern. Die US-Regierung erhöht den politischen Druck, mit dem Ziel, das Atomabkommen zu zerstören und Iran zu isolieren. Eine klandestine Kampagne wäre in dem Kontext keine Überraschung, auch wenn die ganze Wahrheit wohl lange nicht ans Licht kommt.

© SZ vom 04.07.2020

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