Iran:Risiko der Eskalation

Das Verhältnis von Iran und den Vereinigten Staaten ist angespannt. Aus einem kleinen Zwischenfall könnte sich eine Dynamik entwickeln, die nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist. Das ist die Gefahr, wenn Politiker beider Länder nicht mehr kommunizieren.

Von Paul-Anton Krüger

Krieg entsteht nicht durch einen Flugzeugträger allein. Viel spricht dafür, dass John Bolton, der als Hardliner bekannte Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, eine geplante Routinemission der USS Lincoln zur militärischen Machtdemonstration gegenüber Iran umgedeutet hat. Nebulös warnt er vor iranischen Provokationen, Details oder gar belastbare Belege bleibt er aber schuldig, genau wie Außenminister Mike Pompeo, ein anderer Iran-Falke.

Auch in Teheran gewinnen hartleibige Konservative an Einfluss, die auf Konfrontation setzen und sich durch Trumps Abkehr vom Atomabkommen in ihrer Sicht bestätigt fühlen, dass Verhandlungen mit den USA des Teufels sind. Der Oberste Führer Ali Chamenei hat General Hossein Salami zum neuen Kommandeur der Revolutiongarden bestallt, der um keine Tirade gegen Israel und die USA verlegen ist.

Die Gefahr besteht, dass sich in der angespannten Lage aus einem kleinen Zwischenfall eine Eskalation entwickelt, die nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist - vor allem weil auf höchster Ebene zwischen Washington und Teheran inzwischen Kommunikationskanäle fehlen. Eine falsche Reaktion, eine Provokation zu viel kann einen militärischen Schlagabtausch entfachen. Und es gibt auf beiden Seiten Leute, die das bewusst in Kauf nehmen.

© SZ vom 07.05.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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