Bei den Protesten in der iranischen Hauptstadt Teheran und weiteren Städten ist es laut einem Zeitungsbericht zu ersten Festnahmen gekommen. Nach Angaben der Tageszeitung Shargh wurden an der Universität Teheran vier Studenten verhaftet. Wer für die Festnahmen zuständig ist und wo die Betroffenen festgehalten werden, ist dem Bericht zufolge nicht bekannt. Die Hochschulzeitung Amir‑Kabir hatte zuvor berichtet, die Universität sei von Sicherheitskräften umzingelt worden und die protestierenden Studenten seien auf dem zentralen Campus eingeschlossen gewesen.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian rief die Bevölkerung dazu auf, Solidarität zu zeigen, statt Proteste zu veranstalten. „Wir befinden uns in einer Situation, in der es neben dem Druck durch ausländische Feinde leider auch im Inland zu (Protest-)Handlungen kommt“, sagte Peseschkian laut Nachrichtenagentur Irna. In einer solchen Krise sei es entscheidend, primär die Solidarität im Land zu stärken, um so die bestehenden Probleme zu überwinden.
Kurz nach Beginn der Proteste hatte Peseschkian in einer kurzen Botschaft wirtschaftliche Reformen versprochen und seine Dialogbereitschaft erklärt. Bei den Demonstranten stieß dies jedoch bislang auf keine Resonanz. Für sie sind der Präsident und seine Politik die Hauptursache der aktuellen Wirtschaftsmisere in dem eigentlich öl- und gasreichen Land.
Die Regierung führt die Proteste seit Sonntag auf eine „ausländische Verschwörung“ zurück, die das Land in Unruhen und Instabilität stürzen wolle. Vor allem Israel, der Erzfeind Irans, steht aus Sicht der Machthaber im Mittelpunkt dieser angeblichen Verschwörung. In den vergangenen Tagen haben der israelische Geheimdienst Mossad und der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett die iranischen Demonstranten offen unterstützt.
Stadtverwaltung erklärt Mittwoch kurzfristig zum Feiertag
Die Proteste begannen am Sonntag in mehreren Geschäftsvierteln Teherans – ausgelöst durch die anhaltende Wirtschaftsmisere und die Unfähigkeit der Regierung, den rapiden Absturz der nationalen Währung zu kontrollieren. Schon bald wurden auch politische Parolen gegen das islamische System gerufen, einige Demonstranten forderten gar die Rückkehr zur Monarchie. Bereits am zweiten Tag gab es Augenzeugen zufolge Proteste in weiteren iranischen Großstädten sowie gewaltsame Polizeieinsätze.
Zudem erklärte die Teheraner Stadtverwaltung kurzfristig den Mittwoch zum Feiertag – „wegen einer bevorstehenden Kältewelle und zur Energieeinsparung“. Da jedoch keine Wetteränderung in der Hauptstadt erwartet wird, gehen Beobachter davon aus, dass die Maßnahme andere Ziele verfolgt. Ihrer Einschätzung nach soll der Feiertag Polizei‑ und Sicherheitseinheiten ermöglichen, die Proteste besser zu kontrollieren. Silvester spielt in Iran keine Rolle, da das Land einem eigenen Kalender folgt.
Auch Medienvertreter wurden in verschiedenen Teilen Teherans daran gehindert, über die Proteste zu berichten oder Bilder aufzunehmen. Besonders sollten die Medien über systemkritische Parolen wie „Tod dem Diktator“ nicht berichten. Der Chefredakteur der reformorientierten Tageszeitung Etemad wird seiner Ehefrau zufolge seit mehr als 24 Stunden vermisst. Mehdi Bejk wollte am Montag einen Bericht über die Proteste im Teheraner Großbasar verfassen und ist seitdem nicht zurückgekehrt. Auch sein Handy sei ausgeschaltet, schrieb seine Ehefrau Zahra Bejk auf der Plattform X.

