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Mohsen Fakhrizadeh:Iran: Israelische Waffe bei Anschlag eingesetzt

Iran: Beerdigung des Atomwissenschaftlers Mohsen Fakhrizadeh

Getötet mit angeblich "komplett neuer Technik": Mohsen Fakhrizadeh ist am Montag beigesetzt worden.

(Foto: Iranian Defense Ministry/AP)

Nach dem Tod des Nuklearwissenschaftlers Mohsen Fakhrizadeh sagt Teheran, der Anschlag sei aus der Ferne verübt worden - mit israelischer Technik. Belege liefert Iran jedoch nicht.

Von Paul-Anton Krüger

Iran hat seine bisherige Darstellung des Attentats auf den Atomphysiker Mohsen Fakhrizadeh geändert und neue Details bekannt gegeben, die Israel belasten sollen. Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Schamkhani, sagte am Montag bei der im Staatsfernsehen übertragenen Trauerfeier für Fakhrizadeh, der Anschlag sei "mit elektronischen Geräten" aus der Ferne verübt worden.

Bislang hatte es geheißen, Fakhrizadehs Wagen sei in dem Ort Absard nahe Teheran durch eine Autobombe zum Anhalten gezwungen worden, dann hätten Bewaffnete mit automatischen Gewehren das Feuer auf ihn und seine Begleiter eröffnet. Die Nachrichtenagentur Fars, die über enge Beziehungen zu den Revolutionsgarden verfügt, hatte unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, Fakhrizadehs Leibwächter hätten mehrere der Angreifer getötet. In Schuldzuweisungen hoher Vertreter des iranischen Regimes war von "einheimischen Söldnern" der USA und Israels die Rede.

Nun sagte Schamkhani im Staatsfernsehen: "Keine Person war vor Ort zugegen." Der Feind habe eine "komplett neue, professionelle und spezialisierte Methode und Technik" eingesetzt. Er bestätigte damit eine Version des Tatablaufs, die am Sonntag ebenfalls die Nachrichtenagentur Fars in Umlauf gebracht hatte. Demnach war Fakhrizadeh in einem Konvoi von vier Fahrzeugen in Begleitung seiner Frau auf dem Weg in sein Wochenendhaus in der Bergregion Damavand nahe Teheran.

Das Führungsfahrzeug habe sich abgesetzt, um das Ferienhaus zu überprüfen. In dem Moment wurde mit einem ferngesteuerten Maschinengewehr, das auf einem blauen Nissan-Pick-up montiert gewesen sei, das Feuer auf Fakhrizadehs Auto eröffnet. Dieser habe gestoppt und sei aus dem - angeblich gepanzerten - Auto ausgestiegen in der Annahme, mit seinem Auto einen Gegenstand angefahren zu haben.

Die Vorwürfe sind detailliert - Belege gab es aber zunächst nicht

Der Angriff habe lediglich drei Minuten gedauert, anschließend sei der Nissan explodiert - womöglich ein Selbstzerstörungsmechanismus, um Beweise zu vernichten. Laut Fars haben die iranischen Behörden die Person ausfindig gemacht, die das Auto gekauft hatte. Sie soll das Land bereits verlassen haben. Das Staatsfernsehen berichtete, am Tatort sei eine Waffe sichergestellt worden, auf der das Logo und Erläuterungen der israelischen Militärindustrie zu sehen gewesen seien. Belege dafür oder etwa Fotos von der Waffe, die via Satellit gesteuert worden sein soll, gab es zunächst nicht.

Schamkhani beschuldigte die exiliranische Gruppierung Volksmudschahedin, bei dem Anschlag "eine Rolle" gespielt zu haben. Die in Paris ansässige Organisation gilt in Iran als Terrorgruppe. Sie hatte im Jahr 2002 Aufsehen erregt, als sie bei einer Pressekonferenz in Washington die Existenz eines bis dahin geheim gehaltenen Programms zur Urananreicherung in Iran enthüllte. Europäische Geheimdienste gehen davon aus, dass diese Informationen der Gruppe von einem Geheimdienst zugespielt worden waren, um sie öffentlich zu machen.

Die Volksmudschahedin behaupten, über ein Netz von Informanten in Iran zu verfügen; viele später von der Gruppe veröffentlichte Informationen über das iranische Atomprogramm erwiesen sich allerdings als nicht zutreffend. Im belgischen Antwerpen wird derzeit einem Iraner der Prozess gemacht, der einen Anschlag auf ein Treffen der Gruppe geplant haben soll. Der Beschuldigte, Assadollah A., war in Wien als Diplomat der iranischen Botschaft akkreditiert, nach Einschätzung der Ankläger aber in Wahrheit ein iranischer Geheimdienstmitarbeiter.

Iran könnte Zusammenarbeit mit Atomaufsichtsbehörde beenden

Fakhrizadeh wurde am Montag in Teheran beigesetzt. Bei der Trauerfeier trug eine Ehrengarde den Sarg des Forschers, der nach Einschätzung westlicher Geheimdienste von Ende der Achtzigerjahre an maßgeblich am Aufbau eines militärischen Atomprogramms in Iran beteiligt gewesen sein soll. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte mehrmals verlangt, Fakhrizadeh zu seinen Aktivitäten zu befragen, was Iran immer abgelehnt hat.

In Teheran wurden nun Vorwürfe laut, die IAEA habe mit der Nennung Fakhrizadehs in offiziellen Berichten Israel die notwendigen Informationen geliefert, um ihn zu töten. Das scheint wenig plausibel, weil die Erkenntnisse der IAEA oft auf Mitgliedstaaten zurückgehen, die ihr Informationen zur Verfügung stellen. Dennoch beriet das von Ultrakonservativen dominierte iranische Parlament über eine Gesetzesinitiative, die auf ein Ende der Zusammenarbeit mit den internationalen Inspektoren abzielt.

© SZ/chrk
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