Iran:Iranischer Parlamentspräsident sagt Treffen mit Gabriel ab

Gabriel im Iran

Sigmar Gabriel stellt sich der Presse in Teheran.

(Foto: dpa)
  • Ein Treffen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit dem iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani ist kurzfristig abgesagt worden.
  • Zuvor hatte der Bruder des Parlamentspräsidenten, Amoli Laridschani, den Besuch von Gabriel in Iran kritisiert.

Von Cerstin Gammelin, Teheran

Die iranische Seite hat am Dienstagmorgen überraschend ein Treffen von Parlamentspräsident Ali Laridschani mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel abgesagt. Laridschani wäre der ranghöchste politische Gesprächspartner des deutschen Vizekanzlers in Iran gewesen.

Offizielle Gründe für die Absage wurden nicht genannt. In Teheran verlautete, dass die iranische Regierung mit der Absage auf kritische Äußerungen Gabriels reagiert habe. Bereits am Montag hatte der Bruder des Parlamentspräsidenten, Sadegh "Amoli" Laridschani, zugleich Chef der Justiz, im iranischen Radio heftige Kritik an Gabriel geübt, weil dieser das Existenzrecht Israels und die Verantwortung Irans im Syrienkrieg angesprochen hatte. "Diese Person hätte nicht ins Land einreisen dürfen", hatte der Justizchef gesagt.

Laridschani-Familie ist mächtiger Clan in Iran

Der einflussreiche Parlamentspräsident Laridschani gehört dem konservativen Lager an, unterhält aber auch Verbindungen zum als gemäßigt geltenden Präsidenten Hassan Ruhani.

Von der iranischen Presse wird Gabriel als Zionistenfreund beschimpft. Sein Konterfei wurde in einem roten Zielviereck abgebildet. Die Laridschani-Familie ist ein mächtiger Clan in Iran. Vier von fünf Brüdern sitzen an entscheidenden Hebeln im Machtapparat.

Der Minister hält sich derzeit zusammen mit einer großen deutschen Wirtschaftsdelegation in Iran auf, um sich für die Stärkung der Handelsbeziehungen einzusetzen. Am Montag hatte er an Foren mit deutschen und iranischen Unternehmern teilgenommen und Gespräche mit iranischen Regierungsvertretern geführt.

Mit dem Inkrafttreten des Atomabkommens zwischen Iran, den fünf UN-Vetomächten und Deutschland im Januar waren die im Zuge des Atomkonflikts verhängten internationalen Finanz- und Handelssanktionen aufgehoben worden. Allerdings ist die iranische Seite enttäuscht, dass die wirtschaftliche Erholung nicht schneller vorangeht.

© SZ.de/olkl
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