Angriff in Damaskus:Nach Tod zweier Generäle: Irans Staatsoberhaupt droht Israel mit Vergeltung

Angriff in Damaskus: Ajatollah Ali Chamenei, Oberster Führer des Iran.

Ajatollah Ali Chamenei, Oberster Führer des Iran.

(Foto: Iranian Supreme Leader's Office/dpa)

Ajatollah Ali Chamenei macht Israel für den mutmaßlichen Angriff verantwortlich und will den Erzfeind bestrafen. Bei der Attacke auf ein iranisches Botschaftsgebäude in Syriens Hauptstadt sind mindestens zwei hochrangige Mitglieder der Revolutionsgarden gestorben.

Nach dem mutmaßlich israelischen Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in Syriens Hauptstadt Damaskus hat Irans Staatsoberhaupt mit Vergeltung gedroht. "Das boshafte Regime wird durch unsere tapferen Männer bestraft werden", sagte Ajatollah Ali Chamenei am Dienstag laut einer Mitteilung.

Religionsführer Chamenei ist der mächtigste Mann in der Islamischen Republik und hat in allen strategischen Belangen das letzte Wort. Er ist zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Irans Revolutionsgarden (IRGC) hatten nach der Attacke den Tod zweier Generäle aus ihren Reihen bestätigt. Bei dem Angriff auf die Konsularabteilung der iranischen Botschaft in der Hauptstadt Damaskus seien die beiden Brigadegeneräle Mohammad Resa Sahedi und Mohammad Hadi Hadschi ums Leben gekommen, erklärten die Revolutionsgarden.

Fünf weitere Mitglieder der Revolutionsgarden seien bei dem Angriff getötet worden. Sahedi war laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim als Kommandeur der IRGC-Auslandseinheit für Operationen in Syrien und in Libanon zuständig.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi hatte Israel ebenfalls mit Vergeltung gedroht. Dies werde nicht unbeantwortet bleiben, sagte er am Dienstag nach einem Bericht von Tasnim. Details nannte er nicht. Der iranische Außenminister Hossein Amirabdollahian machte Israel für die Zerstörungen auf dem Gelände von Irans diplomatischer Vertretung verantwortlich. Es handle sich um einen Bruch aller internationaler Vereinbarungen, erklärte er staatlichen Medien zufolge.

Das israelische Militär lehnte eine offizielle Stellungnahme ab. Laut einem Bericht der New York Times haben vier namentlich nicht genannte israelische Offizielle jedoch bestätigt, dass die israelische Luftwaffe für den Angriff verantwortlich sei. Allerdings habe es sich bei dem zerstörten Gebäude in Damaskus weder um ein Konsulat noch um eine Botschaft gehandelt, wie der Sprecher der israelischen Armee, Daniel Hagari, gegenüber dem US-Sender CNN erklärte, sondern um "ein als Zivilgebäude getarntes Militärgebäude der Al-Quds-Brigaden in Damaskus".

Den Angriff selbst wollte Hagari gegenüber CNN nicht kommentieren, stellte aber klar: "Es ist Iran, der die regionale Lage in den vergangenen sechs Monaten eskaliert hat."

Iran sendet "wichtige Botschaft" an die USA

Als Reaktion ließ Iran eine "wichtige Botschaft" an die USA übermitteln. Das Außenministerium in der iranischen Hauptstadt Teheran habe einen diplomatischen Vertreter der schweizerischen Botschaft einbestellt, teilte Irans Außenminister Amirabdollahian in der Nacht zu Dienstag auf X (ehemals Twitter) mit. In dem Gespräch sei eine Mitverantwortung der USA als Unterstützer Israels betont worden, schrieb der Minister weiter. Konkrete Angaben zum Inhalt der "wichtigen Botschaft" an Washington machte der Minister nicht. Die Schweiz vertritt in Iran Interessen der USA, beide Länder haben seit mehr als 44 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Die Ständige Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen bezeichnete den Angriff als Verletzung der Charta der UN, des Völkerrechts und des grundlegenden Prinzips der Unverletzlichkeit diplomatischer und konsularischer Einrichtungen. Der Angriff sei eine erhebliche Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit in der Region. Die Ständige Vertretung Irans forderte außerdem den UN-Sicherheitsrat auf, den Angriff zu verurteilen.

Auch China übte scharfe Kritik. "China verurteilt die Attacke auf die iranische Botschaft in Syrien", sagte der Sprecher des chinesischen Außenamtes, Wang Wenbin, in Peking. Die Sicherheit diplomatischer Einrichtungen dürfe nicht verletzt und die Souveränität und Unabhängigkeit Syriens müsse respektiert werden. China lehne jede Handlung ab, die die Spannungen erhöhe, sagte Wang.

Die Gesamtzahl der Getöteten und Verletzten ist unklar: Nach anderen iranischen Angaben wurden drei Befehlshaber der Revolutionsgarden und vier weitere Militärberater getötet. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass sieben weitere Mitglieder der Revolutionsgarden getötet worden seien. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb von mehreren getöteten Menschen und weiteren Verletzten. Der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim zufolge wurden fünf weitere Menschen getötet.

Laut Sana zielte der Angriff auf die Konsularabteilung unmittelbar neben dem Gebäude der iranischen Botschaft. Demnach wurde das gesamte Gebäude zerstört. Bilder in sozialen Medien zeigten starken Rauch und Trümmer neben dem Hauptgebäude der iranischen Botschaft.

Hisbollah: Angriff in Syrien wird nicht ohne Folgen bleiben

Seit dem Angriff der von Iran unterstützten radikal-islamischen Palästinenser-Gruppe Hamas auf Israel am 7. Oktober hat Israel seine Luftangriffe in Syrien gegen die ebenfalls von Iran geförderte libanesische Hisbollah-Miliz und das iranische Korps der Revolutionsgarden verstärkt.

Die Hisbollah erklärte in der Nacht zu Dienstag: "Sicherlich wird dieses Verbrechen nicht vergehen, ohne dass der Feind Strafe und Rache erfährt." Der israelische Feind glaube noch immer, dass die Eliminierung von Anführern den entschlossenen Widerstand des Volkes stoppen könne, hieß es weiter.

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