Iran Eine Rakete, ein Tweet

Sind Präsident Donald Trump und Oberste Führer Ali Khamenei wirklich Herren der Lage? Sie wollen nicht bewusst einen Krieg anzetteln. Aber mit jeder Provokation zwischen Iran und USA wächst die Gefahr, dass es am Ende doch zu einem Waffengang kommt.

Von Paul-Anton Krüger

Auf den ersten Blick hatte es vergangene Woche fast nach Entspannung ausgesehen am Persischen Golf. Irans Oberster Führer Ali Khamenei verkündete via Staatsfernsehen, es werde keinen Krieg geben mit den USA, denn diese verstünden, dass ein Krieg nicht in ihrem Interesse wäre. Dann sagte US-Präsident Donald Trump, er wolle keinen Waffengang mit der Islamischen Republik.

Doch kommt es bei solchen Beteuerungen auf die Adressaten und den Subtext an. Khamenei richtet sich an die iranische Öffentlichkeit, die der aggressiven Regionalpolitik des Regimes zunehmend kritisch gegenübersteht. Er bemüht Durchhalteparolen, spricht von der starken Position Irans, die in Wahrheit so schwierig ist wie lange nicht. Und Trump? Wendet sich vor allem gegen das Narrativ, dass Einflüsterer wie sein Sicherheitsberater John Bolton den ahnungslosen Commander-in-Chief wie einen Schlafwandler in eine Eskalation führen, ohne dass er es merkt.

Eine Katjuscha-Rakete auf die Grüne Zone in Bagdad und Trumps Tweet, in dem er Iran die Vernichtung androht, zeigen: Die Lage bleibt explosiv. Die Gefahr ist nicht, dass Trump oder Khamenei bewusst einen Krieg anzetteln. Die Gefahr ist, dass auf Provokationen hitzköpfige Reaktionen folgen und die Sache außer Kontrolle gerät. Und daran hat sich nichts geändert.