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Iran:Chamenei warnt Iraner vor Trump und den Europäern

  • Irans oberster Führer Chamenei warnt die Demonstranten in seinem Land vor der Unterstützung durch US-Präsident Trump.
  • Die echte Bestrafung der USA für den "feigen" Angriff auf General Soleimani werde ihr Abzug aus der Region sein.
  • Im Atomstreit zeigt sich Chamenei zu Verhandlungen bereit, aber nicht mit den Vereinigten Staaten. Er sagt zudem, dass auf die Europäer kein Verlass sei.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei hat die Demonstranten in seinem Land vor einer Verbrüderung mit den USA gewarnt. US-Präsident Donald Trump sei ein "Clown", der nur vorgebe, das iranische Volk zu unterstützen. Am Ende werde er es verraten und der Nation einen "giftigen Dolch" in den Rücken rammen, sagte Chamenei vor Tausenden Gläubigen in einer Freitagspredigt, seiner ersten seit acht Jahren.

Die iranische Führung ist massiv unter Druck, weil sie ihr Volk und den Rest der Welt über den Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran mit 176 Toten belogen hatte. Nachdem die iranische Revolutionsgarde nach dreitägigen Dementis eingeräumt hatte, das Flugzeug im aufgeheizten Konflikt mit den USA versehentlich abgeschossen zu haben, gingen Demonstranten auf die Straße. Einsatzkräfte schlugen sie mit Tränengas und scharfer Munition nieder. Trump bekundete - unter anderem in Tweets auf Persisch - seine Unterstützung für die Demonstranten.

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Chamenei sagte in seiner Predigt, der Abschuss des Flugzeugs sei ein "bitterer Unfall" gewesen. Den wollten die Feinde Irans nun nutzen, um die Islamische Republik und die Revolutionsgarde in Frage zu stellen. Doch der Massenauflauf bei der Beerdigung des von den USA getöteten Generals Qassim Soleimani habe gezeigt, dass die Iraner noch hinter ihrer Führung stünden. Diese Trauerprozessionen fanden allerdings in den Tagen vor dem Abschuss der Maschine statt.

USA sollen Strafe für "feigen" Angriff bekommen

Iran hatte nach der Tötung Soleimanis im benachbarten Irak dort zwei von den USA genutzte Militärstützpunkte angegriffen. Der Vergeltungsschlag habe die Stellung der Vereinigten Staaten als Supermacht beschädigt, sagte Chamenei weiter. Die echte Bestrafung der USA für den "feigen" Angriff werde aber ihr erzwungener Abzug aus der Region sein. Die Gläubigen unterbrachen seine Rede immer wieder mit den Rufen "Gott ist groß" und "Tod für Amerika".

Auch das Atomabkommen war ein Thema Chameneis. Iran hat wegen der US-Sanktionen seine Verpflichtungen aus dem Abkommen Stück für Stück nicht mehr eingehalten und nach der Tötung Soleimanis komplett ausgesetzt. Daraufhin lösten die europäischen Vertragsparteien Deutschland, Großbritannien und Frankreich am Dienstag den sogenannten Streitschlichtungsmechanismus des Abkommens aus, der Iran zu Verhandlungen zwingen soll.

"Wir haben keine Angst vor diplomatischen Verhandlungen", so Chamenei

Chamenei sagte, die europäischen Staaten seien zu schwach, um Iran in die Knie zu zwingen und bezeichnete sie als Amerikas Gehilfen. Gleichwohl sei er bereit, über das Atomabkommen zu sprechen. "Wir haben keine Angst vor diplomatischen Verhandlungen", sagte Chamenei. Mit den USA und unter Druck wolle man aber nicht verhandeln. Die Reaktion des EU-Trios im Atomstreit habe gezeigt, dass auch auf sie kein Verlass sei. "Wir sollten nicht vergessen, dass sowohl Deutschland als auch Frankreich den Irak im Krieg gegen uns (1980-88) unterstützt haben", so der Ajatollah.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sieht Iran bislang noch im Rahmen des Atomabkommens agieren. Dass sich das Land nicht mehr an Vorgaben gebunden fühle, heiße "noch lange nicht, dass Iran sie auch tatsächlich verletzt", sagte er dem Spiegel. "Wir vertrauen weiterhin auf die Überprüfung durch die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde in Iran."

© SZ.de/AP/dpa/saul/thba
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