Iran:Chamenei nennt Israel "Krebsgeschwür"

Hetztiraden gegen Israel: Nach Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad meldet sich nun der Oberste Führer des Landes zu Wort.

T. Avenarius

Irans Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei hat Israel als "Krebsgeschwür" bezeichnet, das die Politik westlicher Staaten manipuliere. Der "tödliche zionistische Tumor" fresse sich in "das Leben der islamischen Welt", sagte er in einer Predigt zum Feiertag Eid al-Fitr.

Iran: Irans Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei griff in seiner Rede Israel mit drastischen Worten an.

Irans Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei griff in seiner Rede Israel mit drastischen Worten an.

(Foto: Foto: dpa)

Der Eid am Ende des Fastenmonats Ramadan ist der höchste islamische Feiertag. Chamenei ist die oberste politische und religiöse Instanz in Iran. Der Revolutionsführer äußerte sich wenige Tage, bevor am 1. Oktober iranische Diplomaten mit Vertretern der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands zu Grundsatzgesprächen zusammenkommen sollen.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Proteste der iranischen Opposition am sogenannten "Jerusalem-Tag" richtete sich Chamenei offenbar vor allem an ein Publikum in Iran. Er sagte: "Der Feind wollte den Jerusalem-Tag missbrauchen. Aber es hat sich gezeigt, dass die Pläne des Feindes gescheitert sind." Erneut warf er den internationalen Medien vor, mit ihrer Berichterstattung "die Atmosphäre in Iran zu vergiften".

Bei den Demonstrationen am Jerusalem-Tag war die Opposition erstmals seit den Unruhen nach der Präsidentschaftswahl wieder in großer Zahl in Erscheinung getreten. Angeblich gingen Zehntausende auf die Straße. Die Polizei nahm einzelne Personen fest. Zu größeren Zusammenstößen kam es diesmal aber nicht.

Ein wenig einheitliches Bild der iranischen Stimmungslage ergibt sich auch aus einer neuen Umfrage. Das US-Umfrageinstitut WPO hatte mit Hilfe iranischer Übersetzer etwa 1000 Personen in Iran telefonisch befragen lassen. Demnach befürworten 63 Prozent der Iraner eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und den USA, die Mehrheit auch "ohne jede Vorbedingungen". Weniger eindeutig waren die Antworten in Bezug auf den neuen US-Präsidenten Obama. Fast 60 Prozent der Befragten meinten, er sei voreingenommen gegenüber dem Islam. 77 Prozent bezweifelten, dass er weltpolitisch die richtigen Schritte gehen werde.

Unterdessen hat Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew Israel vor einem Krieg gegen Iran gewarnt. Man behalte sich ungeachtet der Proteste aus den USA das Recht vor, Iran weiter mit Verteidigungswaffen auszustatten. Jedoch könnten weder Iran noch Israel im Kriegsfall mit Unterstützung Russlands rechnen.

© SZ vom 21.09.2009
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