Internationale AtomenergiebehördeSchwere Vorwürfe gegen Iran

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Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), wirft Iran Verschleierung und Behinderung von Kontrollen vor.
Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), wirft Iran Verschleierung und Behinderung von Kontrollen vor. (Foto: Roland Schlager/apa/dpa)

Teheran habe zuletzt deutlich mehr waffentaugliches Uran zum Bau einer Atombombe produziert, kritisiert ein Bericht der IAEA. Die USA legen neue Vorschläge im Streit um das iranische Nuklearprogramm vor.

In den Gesprächen über das iranische Atomprogramm hat Steve Witkoff, der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, der Führung in Teheran einen schriftlichen Vorschlag für ein Abkommen unterbreitet. Es handele sich um „einen detaillierten und akzeptablen Vorschlag“, zitieren die US-Nachrichtenseite Axios und andere Medien Karoline Leavitt, die Sprecherin Trumps. Nach Recherchen der New York Times handelt es sich nicht um einen ausformulierten Entwurf, sondern um „eine Reihe von Gliederungspunkten“.

Axios zufolge versucht Witkoff, den Verhandlungen zum Durchbruch zu verhelfen. Iran besteht darauf, dass dem Land schriftlich das Recht auf Urananreicherung zugesichert wird. Als Möglichkeit wird diskutiert, dass ein „regionales Konsortium“ für Teheran die Anreicherung für zivile Zwecke übernimmt und dies von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) überwacht wird. Offen erscheint aber, ob sich diese Anlagen in Iran befinden würden – oder außerhalb, was Washington dem Axios-Bericht vorzieht.

Seit einiger Zeit wird spekuliert, dass Israel die Atomanlagen in Iran angreifen wird

Irans Außenminister Abbas Araghchi teilte mit, sein Amtskollege in Oman habe ihm in Teheran „Elemente eines US-Deals“ vorgelegt. Man werde darauf „angemessen“ und entsprechend den „nationalen Interessen“ Irans reagieren, schrieb Araghchi auf X.

Zudem wurde am Wochenende bekannt, dass sich die iranische Produktion an beinahe waffentauglichem Uran während der Atomverhandlungen zwischen Iran und den USA stark erhöht hat. Laut einem Bericht der IAEA in Wien verfügt Teheran nun bereits über fast 409 Kilogramm an Uran mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent. Seit dem vergangenen Quartalsbericht der IAEA vom Februar ist die Menge demnach um rund 49 Prozent gestiegen.

Etwa 42 Kilogramm würde für eine Atomwaffe ausreichen, falls dieses Uran noch ein wenig höher auf 90 Prozent angereichert würde, heißt es in diplomatischen Kreisen nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur. Irans Regierung wies den Bericht als politisch motiviert zurück.

In einem zweiten Bericht stellte IAEA-Chef Rafael Grossi fest, dass die Islamische Republik in der Vergangenheit nukleare Aktivitäten und Materialien an drei Einrichtungen vor der IAEA verborgen habe. Die Untersuchungen dazu seien „behindert worden“, Iran habe Fragen nicht oder auf unglaubwürdige Weise beantwortet, hieß es. Außerdem seien mögliche Spuren beseitigt worden.

Grossi hatte sich zu diesen geheimen Aktivitäten schon früher geäußert. Nachdem der Gouverneursrat der IAEA im November 2024 Grossi mit einem umfassenderen Bericht beauftragt hatte, fasste er die Erkenntnisse deutlicher als sonst zusammen. Das neue Dokument könnte dem Gouverneursrat künftig als Grundlage dienen, den UN-Sicherheitsrat wegen Irans Verstößen gegen Inspektionsvereinbarungen mit der IAEA einzuschalten. Deutschland, Großbritannien und Frankreich gehören zu den Staaten, die erneute UN-Sanktionen in den Raum gestellt haben.

Israels Premier Benjamin Netanjahu forderte die internationale Gemeinschaft nach dem Bekanntwerden der IAEA-Berichte zu raschem Handeln auf. Seit geraumer Zeit gibt es Spekulationen, Israel bereite sich möglicherweise auf einen Angriff auf die Atomanlagen Irans vor. Dies hatte zuletzt die New York Times berichtet, was Netanjahu als „Falschmeldung“ dementieren ließ. In Israel wird befürchtet, dass Teheran den Bau einer Atombombe anstrebt, die die Existenz des jüdischen Staats gefährden würde.

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