Atomstreit Bericht: Iran soll Obergrenze für Uranvorräte überschritten haben

Eine iranische Uran-Aufbereitungsanlage in Isfahan.

(Foto: dpa)

Sollte Iran tatsächlich mehr als die Höchstmenge von 300 Kilogramm angereichert haben, hätte das Land erstmals gegen das Atomabkommen verstoßen.

Iran hat die im Wiener Atomabkommen verankerte Schwelle von 300 Kilogramm angereicherten Urans laut der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars überschritten. Außenminister Mohammed Jawad Zarif bestätigte den Bericht, wie staatliche iranische Medien meldeten. Dadurch hat Iran mit diesem Schritt erstmals auch das Atomabkommen verletzt.

Die Überschreitung wurde laut Fars auch von den Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde bestätigt. Diese hielt sich am Montag aber noch bedeckt. "Unsere Inspekteure sind vor Ort und werden der Zentrale berichten, sobald die Höhe der Bestände verifiziert ist", teilte ein Sprecher mit.

Vertreter Irans hatten die Überschreitung der Schwelle in den vergangenen Tagen angekündigt, da die übrigen Unterzeichner des Atomabkommens das Land nach Einschätzung Teherans nicht genügend vor den Auswirkungen der US-Sanktionen schützten.

Bereits am Mittwoch war Iran nur noch 2,8 Kilogramm entfernt von der Höchstmenge von 300 Kilogramm, wie ein iranischer Diplomat in Wien bestätigt hatte. Die Zentrifugen produzieren derzeit pro Tag etwa ein Kilo angereichertes Uran.

US-Präsident Donald Trump hatte vor einem Jahr das mühsam ausgehandelte Abkommen einseitig aufgekündigt und neue Wirtschaftssanktionen verhängt, die Iran stark zusetzen. Er will Neuverhandlungen über ein wesentlich schärferes Atom-Abkommen erzwingen. Die anderen Unterzeichner stehen bislang weiter zu dem Pakt. Iran hat den EU-Unterzeichnern Anfang Mai eine 60-Tages-Frist gesetzt, innerhalb derer sie Wege ausarbeiten sollen, wie die iranische Öl- und Bankenbranche vor US-Sanktionen geschützt werden kann.

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