bedeckt München
vgwortpixel

Flug PS752:Die Wahrheit wird ans Licht kommen

Iran: Passagierflugzeug nahe Teheran im Januar 2020 abgestürzt

Ein iranischer Soldat steht an der Absturzstelle nahe Teheran.

(Foto: Ahmad Halabisaz/XinHua/dpa)

Irans Regime wird wohl bis zum Schluss leugnen, die ukrainische Passagiermaschine abgeschossen zu haben. Vielleicht auch, weil es befürchtet, die patriotische Unterstützung nach der Tötung General Soleimanis könne Risse bekommen.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij klang zurückhaltend, als er Stellung nahm zu den Informationen aus Washington, London und Ottawa, die iranische Luftabwehr habe Flug PS752 irrtümlich abgeschossen. Die Version des Abschusses sei nicht bestätigt; die USA, Kanada und Großbritannien sollten Kiew alle entsprechenden Informationen zur Verfügung stellen. Diese Vorsicht ist nachvollziehbar. Die Ukraine hat nicht die gleichen Aufklärungsmöglichkeiten wie die englischsprachigen Alliierten; zudem hat Selenskij 45 Spezialisten in Teheran, die zunächst auf den guten Willen der Iraner angewiesen sind. Logisch, dass der ukrainische Präsident Teheran in einem solchen Moment nicht direkt vors Schienbein treten will.

Schon das von dem Iraner Nariman Gharib vorgelegte Video aber, das von Experten der britischen Bellingcat und der New York Times überprüft wurde und offenbar den Moment zeigt, als Flug PS752 von einer Rakete getroffen wurde, ist ein starkes Indiz für die Richtigkeit der Annahme eines versehentlichen Abschusses. Auf einem anderen iranischen Video, ebenfalls der New York Times zugespielt, ist ein Mann zu hören, der angesichts der brennenden Trümmer schockiert feststellt, dass es sich um ein Passagierflugzeug handelt - und nicht etwa um eine US-Militärdrohne.

Unglück und Unfall Was wir wissen - und was nicht
Flugzeugabsturz in Iran

Was wir wissen - und was nicht

Welche Indizien legen nahe, dass Iran das Passagierflugzeug abgeschossen hat? Und wie soll die weitere Aufarbeitung ablaufen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.   Von Leila Al-Serori, Florian Hassel, Paul-Anton Krüger und Markus C. Schulte von Drach

Parallelen drängen sich auf zu Flug MH17 in der Ostukraine, wo am 17. Juli 2014 ein Kommando der 53. Luftabwehrbrigade aus dem russischen Kursk in Moskaus unerklärtem Krieg gegen die Ukraine ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines abschoss. Die Beweise gegen Moskau, die seitdem ein von den Niederlanden geführtes Ermittlerteam zusammentrug, sind überwältigend. Trotzdem bestreitet Moskau bis heute jede Verantwortung. Das ist logisch: Der Kreml würde damit öffentlich zugeben, dass er von Beginn an die eigentliche Kriegspartei in der Ostukraine ist.

Auch die Iraner leugnen bisher selbst die Möglichkeit eines irrtümlichen Abschusses. Zuzugeben, dass sie ein Flugzeug mit fast ausschließlich Iranern oder aus Iran stammenden Kanadiern, Briten oder Schweden an Bord abgeschossen haben könnten, ist aus Sicht Teherans ein Image-GAU. Dies zuzugeben, davor scheut Teheran zurück - vielleicht auch, weil es befürchtet, die patriotische Unterstützung nach der Tötung General Soleimanis könne Risse bekommen. Nach innen dürfte Teheran wohl bei seiner bisherigen Version bleiben. Nach außen werden indes die Experten der westlichen Alliierten und der Ukraine in den kommenden Monaten oder Jahren sicher genug Material zusammentragen, das nachzeichnet, was am Morgen des 8. Januar 2020 mit Flug PS752 nach seinem Abflug aus Teheran tatsächlich geschehen ist.

© SZ.de/jsa
Zur SZ-Startseite