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Iran: 30 Jahre Islamische Revolution:Vom Schah zum Gottesstaat

Das Erbe des Ayatollah: Vor 30 Jahren ereignete sich in Iran die Islamische Revolution. Über die Geschichte des Gottesstaates und die Nachfolger Chomeinis.

Gökalp Babayigit

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Das Erbe des Ayatollah: Vor 30 Jahren ereignete sich in Iran die Islamische Revolution. Über die Geschichte des Gottesstaates und die Nachfolger Chomeinis.

Für seinen prahlerischen Lebensstil verhasst, für sein diktatorisches Regime gefürchtet: Schah Mohammad Reza Pahlavi führte Iran mit eiserner Faust. Mullahs, Kommunisten, Liberale: Sie alle waren sich einig, dass die Schah-Herrschaft bekämpft werden musste.

Sein großer Gegner, Ayatollah Ruhollah Musavi Chomeini, war im Exil - doch Chomeinis Worte wirkten bis nach Iran hinein.

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Chomeini, AP

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Schon 1978 war es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Staatsgewalt gekommen. Wie im September, als der Schah in der Hauptstadt Teheran auf Demonstranten schießen ließ. Den Höhepunkt erreichten die Proteste im Dezember, als mehr als zwei Millionen Menschen gegen Schah Pahlavi protestierten - und die Rückkehr des Ayatollah forderten, der zu dieser Zeit im Exil in Frankreich lebte.

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Im Januar 1979 sah der Schah keinen Ausweg: Er verließ sein Land. Statuen des Despoten wurden niedergerissen und mit Füßen getreten. Ayatollah Chomeini sah seine Chance nun gekommen - und flog aus Angst vor einem Schlag des iranischen Militärs in Gesellschaft der internationalen Presse nach Teheran.

Die Armee hatte sich noch nicht erklärt, weshalb der Ayatollah unsicher war, ob er nicht vor der Landung abgeschossen werden würde. Doch seine Ankunft am Teheraner Flughafen...

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... sollte triumphal werden. Mehr als eine Million Menschen empfingen Chomeini am Flughafen und riefen: "Willkommen im befreiten Iran." Das Militär erklärte Neutralität - eine Tatsache, derer noch heute bei Massenkundgebungen anlässlich des Jahrestages gedacht wird - der Ayatollah konnte nach 16 Jahren im Exil seinen Fuß wieder auf iranischen Boden setzen.

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Chomeini schuf die Jahrtausende alte Monarchie ab und installierte die Islamische Republik. 98 Prozent der Bevölkerung stimmten im März 1979 bei einer Volksabstimmung angeblich dafür.

Doch statt sich wie angekündigt für religiöse Studien zurückzuziehen, ernannte er sich selbst zum Staatsoberhaupt. Der Klerus sollte in der neuen Staatsform, die offiziell "Herrschaft des Rechtsgelehrten" heißt, nun auch die weltliche Macht ausüben. Jene Liberale und Kommunisten, die zuvor noch die Ankunft des Ayatollah feierten, wurden als Gottlose verfolgt. Mehr als 40.000 politische Gegner sollten in der Folge in die Gefängnisse geworfen werden.

Die Revolutionswächter ersetzten den Geheimdienst des Schahs und sorgten dafür, dass die neuen islamischen Gesetze nicht gebrochen wurden. Alkoholika wurden verboten, Frauen eine islamische Kleiderordnung auferlegt, die Medien unter Aufsicht gestellt. Iran verwandelte sich in einen Gottesstaat, der nun auch international auf sich aufmerksam machen wollte.

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Angestachelt von Chomeini, stürmten iranische Studenten noch im Jahr der Islamischen Revolution die US-Botschaft in Teheran und nahmen 66 Amerikaner in ihre Gewalt. Die Geiselnahme dauerte von November 1979 bis Januar 1981.

Die Geiselnehmer, mehrere hundert Studenten, forderten die Auslieferung des letzten Schah, der sich in den Vereinigten Staaten aufhielt. Der Ayatollah schritt nicht ein. Die Reaktion: US-Präsident Jimmy Carter, der zuvor alle diplomatischen Beziehungen zu Iran abgebrochen hatte, veranlasste eine Befreiungsaktion. Sie blieb jedoch fruchtlos.

Die Aktion bewies, dass die radikalen Kräfte in Iran endgültig die Zügel in ihrer Hand hielten. 2,5 Millionen Iraner verließen ihr Heimatland bis 1982, darunter viele Intellektuelle. Doch bevor der Konflikt im Inneren des Landes - zwischen den radikalen Kräften, die die Oberhand gewannen, und den Moderaten, die ihre Hoffnungen in den Ayatollah enttäuscht sahen - ausbrechen konnte, wurde Iran in einen Krieg verwickelt.

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Eine Million Menschen starben während des acht Jahre währenden Krieges zwischen Irak und Iran. Da der Gottesstaat als größere Bedrohung gesehen wurde, konnte Saddam Hussein auf die Unterstützung der Amerikaner bauen. Auch mit Giftgas ließ der der irakische Diktator den Nachbarn bekämpfen.

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Wie beliebt Ayatollah Chomenei im Volk damals war, davon zeugten die Szenen bei seinem Begräbnis. Der Revolutionsführer und Staatengründer starb 1989 - und Millionen Menschen waren beim tumultartigen Staatsbegräbnis dabei. Mehrere tausend Menschen wurden bei Rangeleien verletzt.

Chomeneis Schüler Ali Chamenei war sein Nachfolger, erreichte aber nie seine Popularität oder Autorität. Unter seiner Amtszeit, die bis heute andauert, kam es auch zu ersten Liberalisierungstendenzen.

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Ali Akbar Rafsandschani wurde 1989 zum Staatspräsidenten gewählt. Seine Amtszeit war von einem neuen außenpolitischen Kurs geprägt, der eine vorsichtige Annäherung an den Westen enthielt. Die wirtschaftliche Situation nach dem verlustreichen Krieg war freilich das drängendere Problem, dem sich Rafsandschani widmen musste.

Grund für Hoffnung auf einen Paradigmenwechsel bescherte acht Jahre später...

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Chatami

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... die Wahl Mohammed Chatamis. Vor allem bei den jungen Iranern sorgte der selbsternannte Reformer für Begeisterung. Die Wahl 1997 gewann der Geistliche unter dem Jubel der jungen Bevölkerung. Erstmals seit Gründung der Islamischen Republik entfernte sich Iran außenpolitisch vom amerika- und israelfeindlichen Duktus. Chatami sprach vor den Vereinten Nationen und forderte einen "Dialog der Zivilisationen".

Hauptanliegen Chatamis waren die Pressefreiheit und die Etablierung einer Zivilgesellschaft. Doch der Klerus - in Form des von Chomeini errichteten Wächterrats - machte die Hoffnungen zunichte. Trotz seiner Wiederwahl im Jahr 2001 und der Mehrheit seiner Partei im Parlament wurde seine Politik blockiert. Chatami hatte sich nicht gegen den geistlichen Führer Chamenei durchsetzen können. Unter dem Strich hielten wenige Errungenschaften aus seiner Amtszeit stand. Seine Ankündigung, bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen im Juni wieder anzutreten, macht liberalen Kräften dennoch wieder Mut.

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Die Rechte der Frauen waren seit 1979 nur einmal auf der politischen Agenda: während der Amtszeit von Mohammed Chatami. Trotz der altertümlich anmutenden Kleiderordnung und einer eklatanten Benachteiligung im Familienrecht sprechen Beobachter von einer verbesserten Situation für Frauen in Iran. So ist die Zahl der Frauen an den Universitäten im Vergleich zur Schah-Zeit geradezu explodiert. Als leuchtendes Beispiel...

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Ebadi, AFP

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... dient Shirin Ebadi. Die iranische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin erhielt 2003 den Friedensnobelpreis - als erste muslimische Frau. Ebadi schrieb zuvor schon Geschichte, als sie zur ersten Richterin in Iran ernannt wurde.

Ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte brachte ihr auch viele Gegner ein. So wurde ein von ihr geleitetes Menschenrechtszentrum in Teheran geschlossen.

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Einen Rückschlag erlebten die liberalen Kräfte in Iran im Jahr 2005: Mahmud Ahmadinedschad, der damalige Bürgermeister Teherans, konnte sich in der Stichwahl gegen Ali Rafsandschani durchsetzen. Der Hardliner und bedingungslose Anhänger der Islamischen Revolution machte sich daran, alle außenpolitischen Fortschritte seines Amtsvorgänger zunichte zu machen: Durch hasserfüllte Reden gegen Israel und die USA und dem Festhalten am Atomprogramm trieb Ahmadinedschad sein Land in die Isolation.

Vor allem der Streit um das Atomprogramm stand mehrmals kurz vor der Eskalation. Auch innenpolitisch orientierte sich der Präsident an der Politik von Chomeini.

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"Down with USA": Die Beziehungen Irans zu Amerika waren nie besonders gut. Unter Ahmadinedschad und George W. Bush erreichten sie dennoch erneut einen vorläufigen Tiefpunkt. Die Islamische Republik galt Bush als Teil der "Achse des Bösen", mehrmals drohte die US-Regierung mit militärischen Optionen.

Doch mit dem neuen US-Präsidenten Barack Obama kommt nicht nur in den USA ein neuer Wind in die Politik. Auch die Beziehungen zu Teheran könnten sich entspannen. Nach Obamas Bekenntnis zum Dialog mit Iran wählte Ahmadinedschad ausgerechnet die diesjährigen Feierlichkeiten zum Jahrestag der Islamischen Republik zum Anlass, um seinerseits Gesprächsbereitschaft zu signalisieren.

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Vielleicht hat der amtierende Präsident aber auch nur die Meinungsumfragen gelesen: Drei Viertel aller Iraner verlangen demnach keine Entschuldigung mehr von den USA - eine Forderung, die Ahmadinedschad seit Jahren vorträgt. Bessere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sind den Iranern wichtiger.

30 Jahre nach der Islamischen Revolution herrscht denn auch nicht nur Feierlaune: Ernüchterung und Frust machen sich in Bevölkerung breit. Die wirtschaftliche Situation ist verheerend. Von sozialer Gerechtigkeit - eines der wichtigen Ziele der Islamischen Republik - ist Iran meilenweit entfernt.

Zu den Feierlichkeiten am Jahrestag kamen zwar wieder Hunderttausende in Teheran zusammen. Doch diese Massendemonstrationen sind vom Staat organisiert.

Auch der Ruf in der Welt ist ramponiert. Als Sponsor des Terrors von Hamas und Hisbollah verrufen, gilt Iran als zentraler Konfliktherd im Nahen und Mittleren Osten.

"Die Islamische Revolution ist nach 30 Jahren so lebhaft wie ein 15-jähriger Jugendlicher und so gefestigt wie ein 60-Jähriger", sagte Ahmadinedschad am Platz der Freiheit in Teheran. Die Wahl im Juni könnte zu einer Abrechnung mit Ahmadinedschad und den islamischen Kräften werden.

Foto: Reuters (sueddeutsche.de/jja)

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