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Irak:Zehn Tote bei Räumung von Protestcamps

Die Polizei soll aus Hubschraubern in die Menge gefeuert haben: Bei der Räumung eines sunnitischen Protestcamps sind im Irak Berichten zufolge zehn Menschen getötet worden. Islamische Geistliche riefen zum "Heiligen Krieg" auf.

Bei der Räumung des wichtigsten Protestlagers sunnitischer Regierungsgegner im Irak sind mindestens zehn Menschen getötet und etwa 30 weitere verletzt worden. Bei den Opfern des Polizeieinsatzes in Ramadi handle es sich um Aktivisten, sagte ein Arzt im Krankenhaus der 380 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt.

Aus Protest gegen die Räumung legten 44 Abgeordnete des irakischen Parlaments ihre Mandate nieder. Rund um das Lager in Ramadi gab es Zusammenstöße von Bewaffneten mit Polizisten. Hubschrauber feuerten in die Menge, Demonstranten setzten mindestens zwei Polizeiautos in Brand. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah einen Toten und zehn Verletzte.

Der Polizeichef der Provinz Anbar sagte dem staatlichen Fernsehsender Irakija, auf dem Gelände seien zwei Autobomben sowie weitere Sprengsätze gefunden worden. Die gewaltsamen Zusammenstöße drohen die Wut der sunnitischen Minderheit auf die von Schiiten geführte Regierung weiter anzufachen. Islamische Geistliche in Ramadi riefen zum "Heiligen Krieg" auf.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte das Protestcamp vor wenigen Tagen als "Hauptquartier der Al-Qaida-Führung" gebrandmarkt. Er rief die Demonstranten auf, den Platz so schnell wie möglich zu räumen. Al-Malikis Sprecher Ali Mussawi sagte, das Zeltlager bei Ramadi sei beseitigt und eine durch das Camp blockierte Straße wieder frei.

Krawall in Falludscha

In der Nachbarstadt Falludscha gab es ebenfalls gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und der Polizei. Militante Aktivisten zündeten mehrere Militärfahrzeuge an, wie ein Polizeisprecher sagte. Ein Arzt sprach von elf Verletzten unter den Aktivisten.

Aus Protest gegen die Räumung legten 44 irakische Parlamentarier ihre Mandate nieder. Dies verkündeten sie bei einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, bei der sie auch den Rückzug der Sicherheitskräfte forderten.

Bereits am Samstag hatte es in Ramadi tödliche Zusammenstöße gegeben, nachdem Sicherheitskräfte das Haus des sunnitischen Parlamentsabgeordneten Achmed al-Alwani durchsucht und den Politiker festgenommen hatten. Ein Bruder al-Alwanis, fünf Wachleute und ein Polizist wurden getötet.

Die Proteste in Ramadi hatten vor einem Jahr begonnen, als Leibwächter des damaligen Finanzministers und einflussreichen sunnitischen Politikers Rafa al-Essawi wegen Terrorverdachts festgenommen wurden. Kritiker werteten dies als Unterdrückung der Sunniten durch die schiitisch dominierte Regierung.

Die Zahl der Gewalttaten im Irak nahm in diesem Jahr stark zu. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten gilt als wesentlicher Grund. Seit Jahresbeginn wurden nach Zählung der Nachrichtenagentur AFP mehr als 6750 Menschen getötet.