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Irak:Lernen aus Kirkuk

Die Übernahme der Ölstadt durch irakische Truppen trägt die Handschrift Irans - das ist ein Dilemma für die Vereinigten Staaten.

Von Paul-Anton Krüger

Irakische Truppen haben die Ölstadt Kirkuk von den Kurden eingenommen, vorerst weitgehend kampflos - für die Bewohner ist das erst einmal eine gute Nachricht. Die Gefahr eines neuen Bürgerkriegs ist damit aber noch nicht gebannt. Kirkuk ist nur eines der zwischen Bagdad und den Kurden umstrittenen Gebiete, und auch der Konflikt um die Millionenstadt und ihre Ressourcen ist wohl nicht endgültig entschieden.

Die Übernahme Kirkuks ist ein Lehrstück über die virtuose Machtentfaltung der iranischen Revolutionsgarden. Sie trägt die Handschrift von Qassim Soleimani, Chef der für Auslandsoperationen zuständigen Quds-Brigaden. Er hat die innere Spaltung der Kurden ausgenutzt und zeigt, wie Iran den US-Interessen im Irak gefährlich werden kann. Und in Syrien ist Teheran noch stärker engagiert. Zwar hat wohl kaum die Brandrede von US-Präsident Donald Trump gegen Iran die Offensive ausgelöst, man kann sie aber durchaus als erste Antwort Teherans verstehen.

Die Amerikaner haben das Problem, dass sich hier Kurden und Iraker bekriegen, die beide gerade noch US-Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) waren. Es rächt sich, dass Washington nicht unter Barack Obama und noch weniger unter Trump einen Plan hat, wie es nach dem Sieg über den IS weitergehen soll. Die Europäer sollten versuchen, zusammen mit den Amerikanern zu vermitteln, bevor es zu spät ist.

© SZ vom 17.10.2017
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