Irak-Krieg:Ranghohe US-Offiziere der Korruption verdächtigt

Ermittler in den USA prüfen derzeit die Finanzen zweier Führungsoffiziere der Streitkräfte. Sie waren für die Vergabe von Bauaufträgen im Irak zuständig.

Das Thema bietet das Material, aus dem große Skandale entstehen. Seit einiger Zeit gehen US-Ermittler der Frage nach, ob die Bevollmächtigen der Supermacht im Irak-Krieg Schmiergelder angenommen haben. Die ersten Jahre des Irak-Krieges, die Jahre 2003 und 2004, stehen dabei im Zentrum der Ermittlungen.

Irak-Krieg: Teurer Aufbau im Irak: Löscharbeiten an einer sabotierten Pipeline bei Basra im August 2004.

Teurer Aufbau im Irak: Löscharbeiten an einer sabotierten Pipeline bei Basra im August 2004.

(Foto: Foto: AP)

Hier gab es offenbar krasse Unregelmäßigkeiten bei Projekten, die im Staatsauftrag für den Wiederaufbau des Irak verteilt wurden. Insgesamt hat die USA seit Beginn des Krieges 125 Milliarden Dollar in die marode Infrastruktur des Landes investiert. Im Lauf der Ermittlungen hat sich eine Beschuldigte 2006 das Leben genommen. Sie hatte zuvor zugegeben, 225.000 Dollar an Bestechungsgeldern eingesteckt zu haben. Weitere Geständnisse folgten.

Bisher erstreckten sich die Untersuchungen vornehmlich auf die Mitarbeiter staatlich beauftragter Unternehmen und auf niedrige Offizielle. Nun sind die Ermittler nach Angaben der New York Times offenbar in den Führungskreis vorgedrungen. Unter Verdacht stehen nun auch ein Oberstleutnant der Air Force, Ronald Hirtle, und der ehemaligen Armee-Oberst Anthony Bell.

Beide bestreiten vehement jegliches Fehlverhalten, Pentagon und Air Force gaben bisher keinen Kommentar dazu ab. Aus Ermittlungskreisen erfuhr die Times jedoch, dass die Behörden, für die die beiden verantwortlich waren, als hochgradig korrupt gelten.

Gestützt wird der Verdacht den Angaben zufolge von Informationen des Waffenhändlers Dale Stoffel, der 2004 in Bagdad ums Leben kam. Diesem wurde vor seinem Tod im Austausch für Informationen Immunität gewährt. Was Stoffel erzählte, ist purer Filmstoff: Zehntausende Dollar seien einfach in Pizzaschachteln bei den US-Einrichtungen abgegeben worden, heißt es in dem Bericht. Andere Gelder wurden angeblich in Papierbeutel gepackt und in so genannten "toten Briefkästen" in der Grünen Zone versteckt.

Ähnlich abenteuerlich war zu dieser Zeit die Vergabe der US-Hilfsgelder im Irak. Die Millionen für den Wiederaufbau wurden in einem mäßig geschützten Safe im Keller eines ehemaligen Palastes des Diktators Saddam Hussein deponiert.

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