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Irak:Irakisches Militär marschiert in Falludscha ein

Zehntausende Zivilisten sitzen in der von der Terrormiliz Islamischer Staat belagerten Stadt fest.

Die Rückeroberung der IS-Hochburg Falludscha hat begonnen: Nach Angaben des irakischen Militärs drangen Eliteeinheiten am Montagmorgen aus drei Richtungen in die bislang von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierte Stadt ein. Unterstützung erhielten die Truppen aus der Luft von der internationalen Militärkoalition, teilte der für den Einsatz verantwortliche Kommandeur mit.

Vor der Offensive am Montag hatten die irakischen Truppen die Umgebung der Stadt erobert. Zehntausende Bewohner saßen weiter in der belagerten Stadt fest. Zwar gelang am Freitag Hunderten Bewohnern die Flucht, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, doch leben nach Angaben von Helfern noch immer etwa 50 000 Zivilisten in Falludscha. "Wir erwarten größere Fluchtwellen, je heftiger die Kämpfe werden", warnte der Irak-Direktor der Norwegischen Flüchtlingshilfe, Nasr Muflahi. Die Lage in den Flüchtlingslagern sei "sehr angespannt".

Falludscha wird seit Januar 2014 vom IS beherrscht und ist nach Mossul die wichtigste Bastion der sunnitischen Dschihadisten im Irak. In den vergangenen Tagen hatten regierungstreue Einheiten die Stadt westlich von Bagdad eingekreist. In den vergangenen Monaten hat der IS eine Reihe wichtiger Städte in der Region im Westirak verloren, darunter die Provinzhauptstadt Ramadi.

Die Militäroffensive auf Falludscha ist umstritten, weil an der Offensive auch starke schiitische Milizverbände beteiligt sind. In Falludscha und der dazugehörigen Provinz Al-Anbar leben jedoch vor allem Sunniten. Die Spannungen zwischen den beiden großen muslimischen Konfessionen sind im Irak groß, weil sich die sunnitische Minderheit von der schiitischen Bevölkerungsmehrheit diskriminiert fühlt. Davon profitiert die sunnitische IS-Terrormiliz, die sich den Unmut zunutze macht. Schiitenviertel waren auch Ziel von zwei tödlichen Bombenattentaten am Montag in Bagdad. Mindestens 14 Menschen starben, wenigstens 37 wurden verletzt, wie Augenzeugen und medizinisches Personal berichteten.