Irak Kunstwerke zerstören, um den Westen zu schockieren

Der IS habe die Artefakte zerstört, um den Westen zu schockieren - "so wie es die Taliban einst mit den Buddhas gemacht haben", sagt Margarete van Ess, Leiterin der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. Sie sei "verzweifelt", denn die Dschihadisten zerstörten unwiederbringliche Kunstwerke, die knapp 3000 Jahre alt waren.

Sie wüteten an zwei Orten. Im Museum, das 2003 beim US-Einmarsch geschlossen worden war und erst 2014, kurz vor dem IS-Einmarsch, hätte wieder öffnen sollen; dort zerstörten sie Statuen aus Hatra, einer Grabungsstätte 80 Kilometer südwestlich der Stadt. Wie groß der Verlust ist, lässt sich kaum sagen: "Einige waren Gipsrepliken", so die Archäologin van Ess, "die Originale aller Funde werden zuerst nach Bagdad gebracht und danach wieder verteilt."

Originale aber sind die assyrischen Türhüterfiguren, die Lamassu aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, welche die Extremisten mit Pressluftbohrern beschädigten. Eine der Figuren stand bisher an der Stadtmauer, die andere im Museum.

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"Mehr als eine Kultur-Tragödie": In Mossul im Irak zertrümmerten Anhänger des IS einzigartige antike Kunstwerke mit dem Presslufthammer. Nun hat die Unesco-Generaldirektorin eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates gefordert.

Der selbsternannte Kalif will den Irakern die Identität stehlen

Dass die IS-Extremisten die Artefakte zertrümmert haben, um die Fragmente einzeln verkaufen zu können - der IS finanziert sich auch durch Raubkunst -, hält van Ess für unwahrscheinlich. Die Bruchstücke seien zu klein: "Sie wurden zerstört, nicht zerlegt."

Naheliegender ist, dass der Kalif den Irakern mit seiner Zerstörungsorgie die Identität stehlen will. Wenn die vorislamische Vergangenheit des Zweistromlandes als von Gott verworfen dargestellt wird, bleibt den Nachfahren der Mesopotamier als Heimat nur das Kalifat.

Nun wird der IS nie verhandlungsfähig werden

Die Isolation der Taliban nach dem Buddha-Frevel hat gezeigt, dass die Weltgemeinschaft sich nicht unbegrenzt provozieren lässt: Möglicherweise hätten die Taliban sich sonst mit der Welt arrangieren können, nach 20 Jahren Krieg wollten alle Ruhe in Afghanistan. Nun wird der IS nie verhandlungsfähig werden.

Doch die Mossuler Zerstörungsorgie könnte einen Prozess befördern, an dessen Ende eine internationale Koalition härter gegen den IS vorgeht als bisher. Die europäischen Dschihadisten, von denen die ersten in Paris und Kopenhagen Terror verbreitet haben, die Massaker an Christen, Schiiten und Jesiden, jetzt die Kulturschändung: Über den Kalifen wird Buch geführt.