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Irak:Amnesty kritisiert Anti-IS-Bündnis

Die Menschenrechtsorganisation wirft der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat vor, nicht genug Anstrengungen zu unternehmen, um Zivilisten zu schützen.

Der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fordert immer mehr zivile Opfer. Während der IS im Kampf um seine Hochburg im Nordirak auf dem Rückzug Massaker an Einwohnern verübt, wird der internationalen Anti-IS-Allianz vorgeworfen, bei ihrem Kampf gegen die Dschihadisten in Syrien und dem Irak die Zivilbevölkerung nicht ausreichend zu schützen.

Die UN-Menschenrechtskommission berichtete in Genf von den Gräueln der Dschihadisten: Im Dorf Tulul Naser haben irakische Sicherheitskräfte am 20. Oktober etwa 70 Leichen mit Schusswunden gefunden, am Sonntag seien in der Nähe von Mossul 50 ehemalige irakische Polizisten von IS-Kämpfern umgebracht worden. Im Dorf Safina südlich der Millionenstadt hätten die Islamisten 15 weitere Menschen erschossen und ihre Leichen teils in einen Fluss geworfen, weitere sechs Menschen wurden mit Autos durch die Stadt geschleift, bis sie tot waren. Es sei jedoch schwierig, diese Berichte zu verifizieren, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville. Die Dschihadisten des IS wollen die Bevölkerung wohl einschüchtern, um so Kooperation mit der Armee zu verhindern.

Doch auch das Anti-IS-Bündnis, das solchen Taten eigentlich ein Ende setzen will, steht in der Kritik: Die von den USA angeführte Koalition habe vor allem in Syrien zu wenig getan, um die Zivilbevölkerung zu schützen, beklagt Amnesty International. Der Schaden für Zivilisten werde bei den Einsätzen der Koalition unterschätzt, sagte Amnesty-Sprecherin Lynn Maalouf in Beirut. Seit September 2014 seien bei elf Angriffen bis zu 300 Zivilisten getötet worden. In jedem der Fälle seien nur unzureichende Vorsichtsmaßnahmen für die Zivilbevölkerung ergriffen worden. Einige Angriffe könnten als unverhältnismäßig bis willkürlich bezeichnet werden. Das US-Verteidigungsministerium hat erklärt, es werde große Sorgfalt darauf verwandt, den Schaden für Zivilisten gering zu halten. Nach US-Angaben vom Juli kamen bei Luftangriffen gegen den IS im Irak und Syrien zwischen Ende Juli 2015 und Ende April diesen Jahres 14 Zivilisten ums Leben.

Um Zivilisten im Kampfgebiet um Mossul zu schützen, haben irakische Spezialeinheiten nun zahlreiche Dörfer evakuiert. Mehr als 1000 Menschen seien in die angrenzende Region Chaser gebracht worden, damit sie nicht ins Kreuzfeuer geraten, so ein irakischer Kommandeur. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration sind bisher zudem bereits etwa 9000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben worden.