Süddeutsche Zeitung

Irak:Amerikas oberster Soldat schließt Bodentruppen nicht kategorisch aus

Sollte die Strategie gegen die Terrormiliz IS scheitern, wolle er dem Präsidenten den Einsatz von US-Soldaten auf irakischem Boden empfehlen, sagt der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs, Martin E. Dempsey. Noch sei das aber nicht nötig.

  • Der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs, General Martin E. Dempsey, schließt Bodentruppen im Irak nicht kategorisch aus.
  • Die US-Luftwaffe weitet ihr Angriffsgebiet aus und attackiert IS-Stellungen nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad. 22 IS-Kämpfer sollen getötet worden sein.
  • IS-Terroristen haben erstmals einen Kampfjet der syrischen Armee abgeschossen.

Chairman of the Joint Chiefs of Staff würde Obama im Ernstfall Bodentruppen empfehlen

General Martin E. Dempsey - der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs (Chairman of the Joint Chiefs of Staff) - hat die direkte Beteiligung von US-Militärberatern an Kampfeinsätzen gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Irak nicht kategorisch ausgeschlossen. "Wenn wir an einen Punkt gelangen, an dem wir glauben, dass unsere Berater irakische Soldaten bei Angriffen auf bestimmte IS-Ziele begleiten sollten, dann werde ich das dem Präsidenten empfehlen", sagte Dempsey am Dienstag bei einer Anhörung im US-Senat in Washington. Derzeit sei das aber nicht nötig, betonte der höchstrangige Soldat der US-Streitkräfte.

US-Präsident Barack Obama hatte sich wiederholt kategorisch gegen den erneuten Einsatz von US-Bodentruppen im Irak ausgesprochen. Erst 2011 hatte er die letzten Kampftruppen nach mehr als acht Jahren abgezogen. Die US-Regierung spricht bisher ausdrücklich von Militärberatern statt von Kampftruppen, weil Obama den Einsatz von "Stiefeln auf dem Boden" (boots on the ground) entschieden ablehnt. Die Aufgabe der US-Soldaten im Irak sei allein, den Irakern bei der Koordination und Logistik im Kampf gegen den IS zu helfen, erläuterte Dempsey.

Sollten jedoch die Sicherheitskräfte und die kurdischen Peschmerga im Land irgendwann bereit sein, die nordirakische Millionenmetropole Mossul von den Islamisten zurückzuerobern, könne es durchaus sein, dass man für diesen Einsatz "eine enge Gefechtsberatung oder Begleitung" zur Verfügung stelle, sagte Dempsey. Eine Beteiligung von US-Soldaten an direkten Kampfhandlungen sei aber nicht vorgesehen.

USA weiten Angriffe auf IS auf Bagdad aus

Die USA haben im Irak bereits ihre Luftangriffe ausgeweitet: Am Dienstag flog die US-Luftwaffe erstmals einen Angriff auf IS-Dschihadisten nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad. Das teilte das Zentralkommando der US-Streitkräfte mit. Die Attacke auf die IS-Stellung sei der erste Schritt des von Obama angekündigten "ausgeweiteten" Einsatzes gewesen, hieß es weiter. US-Kampfflugzeuge hatten die Dschihadisten zuvor lediglich im Norden des Landes attackiert, wo diese große Gebiete kontrollieren.

Ein weiterer US-Luftangriff zielte dem Zentralkommando zufolge auf die Region nahe des Sindschar-Gebirges im Nordirak. Dabei seien sechs Fahrzeuge der Dschihadisten zerstört worden. Mit den jüngsten Luftangriffen nahe Bagdad und des Sindschar-Gebirges summiert sich die Zahl der US-Angriffe nach Armeeangaben auf 162. Mindestens 22 Kämpfer kamen dabei ums Leben.

IS hat erstmals ein Kampfflugzeug abgeschossen

In Syrien hat der IS dagegen am Dienstag offenbar zum ersten Mal ein Kampfflugzeug abgeschossen. Ein Jet des syrischen Militärs sei außerhalb der Stadt Raqqa, einer Hochburg der sunnitischen Extremistenmiliz, abgestürzt, berichtet die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Diesen Angaben zufolge habe die syrische Luftwaffe am Dienstag fünf Angriffe auf die 400 Kilometer nordöstlich von Damaskus gelegene Stadt geflogen. Seit der IS den strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka von der syrischen Armee erobert hatte, fliegt diese verstärkt Angriffe auf den IS. Auch die USA hatten angekündigt, IS-Stellungen in Syrien zu bombardieren. Bislang greifen sie die Terrormiliz nur im Nachbarland Irak an.

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