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USA:Fünf Fragen und Antworten zum Wahlchaos in Iowa

Bürger bei der Abstimmung im Caucus-Verfahren in Des Moines.

(Foto: AP)

Stundenlange Debatten, mehrere Wahlgänge - kein Ergebnis. Die Vorwahlen der Demokraten in Iowa halten die US-Politik in Atem. Aber warum ist der Staat im Mittleren Westen überhaupt so wichtig? Und warum dauert die Auszählung so lang?

Von Gunnar Herrmann

Die US-Vorwahlen der Demokraten sind das politische Ereignis zum Jahresbeginn. Es geht um nicht weniger als die Frage, welcher US-Demokrat Präsident Donald Trump herausfordern soll. Gespannt blickte man deshalb nach Iowa, wo die erste Wahl stattfand. Und sah erst mal: kein Ergebnis. Die Demokratische Partei gibt damit zu Beginn der heißen Wahlkampfphase ein überaus chaotisches Bild ab. Donald Trump feiert das bereits als ersten Sieg.

Wieso gibt es noch kein Ergebnis?

Ein Programmierfehler soll der Grund für das Chaos bei der Auszählung sein. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass es bei der Eingabe der Daten aus den einzelnen Bezirken über eine App keine Probleme gegeben habe, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme der Partei, über die US-Medien übereinstimmend berichteten. Schwierigkeiten seien bei der Meldung dieser Daten aufgetreten. Die Panne sei inzwischen behoben worden. Gegen 23 Uhr (MEZ) wollen die Demokraten nun zumindest Teilergebnisse bekanntgeben, von mehr als 50 Prozent der Stimmen ist die Rede.

Systeme brauchen "länger als erwartet": Troy Price, Chef der Demokraten in Iowa, vor den Wahlen in seinem Büro.

(Foto: AFP)

Wohl um Gerüchten vorzubeugen hatte die Partei zunächst einmal bekannt gegeben, welche Ursachen auszuschließen sind. Es handele sich weder um einen Hackerangriff noch um eine andere Art der Manipulation, sagte Troy Price, Chef der Demokraten in Iowa. Die Systeme bräuchten einfach "länger als erwartet". Berichten zufolge hatte die Partei zur Auswertung der Stimmen eine App eingesetzt, die nicht ausreichend getestet war. Parteifunktionäre aus den einzelnen Bezirken berichteten, es sei ihnen nicht möglich gewesen, ihre Ergebnisse an die Zentrale in Des Moines weiterzuleiten. Bereits in früheren Vorwahlen hatte es Kritik gegeben, weil Ergebnisse nicht immer eindeutig nachvollziehbar waren. Die Stimmabgabe soll 2020 besonders transparent sein, die Partei nutzt darum diesmal ein überarbeitetes, aber noch komplizierteres Auswertungsverfahren.

Warum ist es so schwierig, ein paar Stimmzettel auszuzählen?

Demokraten stimmten bei einem Caucus in der Hoover High School in Des Moines ab.

(Foto: AP)

Es gibt gar keine Stimmzettel im eigentlichen Sinn. Iowas Vorwahlen laufen im sogenannten Caucus-Verfahren ab. Die Caucuses sind Bürgerversammlungen in Schulen, Feuerwachen, Gemeinden. Die Bewohner eines Wahlkreises treffen sich dort, diskutieren zunächst über die Eignung der einzelnen Kandidaten. Dann wird in zwei Wahlgängen abgestimmt. Beim zweiten Wahlgang stehen nur noch Kandidaten zu Auswahl, die in der ersten Runde mehr als 15 Prozent der Stimmen erzielt haben. 15 Prozent ist in den meisten Vorwahlen die Hürde, die ein Kandidat nehmen muss, um überhaupt Delegiertenstimmen für den Parteikongress im Juli zu gewinnen, auf dem dann der Präsidentschaftskandidat gekürt wird. Ein Caucus kann mehrere Stunden dauern. Bei dem unübersichtlichen Verfahren kam es schon früher zu Pannen. 2012 gewann Mitt Romney erst die republikanischen Vorwahlen in Iowa - 16 Tage später wurde ihm der Sieg wieder aberkannt, weil sich herausstellte, dass sein Konkurrent Rick Santorum mehr Stimmen geholt hatte.

In anderen Staaten wird einfach in Wahlkabinen abgestimmt - weshalb hält man in Iowa an dem Caucus-Verfahren fest?

Democratic 2020 U.S. presidential candidate Warren holds a Get Out the Caucus Rally in Cedar Rapids

Wahlkampf in Iowa: Elizabeth Warren mit Ehemann Bruce und Hund Bailey in Cedar Rapids.

(Foto: REUTERS)

Diese Frage wird bei US-Wahlen stets aufs Neue diskutiert. In den meisten US-Bundestaaten werden die Delegierten bei den Vorwahlen inzwischen in sogenannten Primaries gewählt. Dabei gehen die Stimmberechtigten - in manchen Staaten sind das nur Parteigänger, in anderen alle wahlberechtigten Bürger - in eine Kabine und machen ihr Kreuz. Nur in einer Handvoll Staaten und Außengebieten wird noch das Caucus-Verfahren angewendet, neben Iowa etwa in Nevada, North Dakota und Wyoming. Bei einem Caucus müssen die Kandidaten sehr stark auf persönlichen Kontakt setzen, um lokale Unterstützer zu mobilisieren - denn diese werben bei den Caucus-Debatten in den Wahlkreisen um die nötigen Stimmen. Die Folge ist ein etwas altmodischer Wahlkampf der kleinen Säle und Straßen. Bei großen Primaries wie etwa in Kalifornien sind dagegen moderne Medienkampagnen der Schlüssel zum Erfolg - die sind teuer. Caucus-Wahlkämpfe bieten dagegen auch Kandidaten mit weniger Ressourcen Chancen, was Befürworter dieses Systems gerne als Argument anführen. Allerdings ist ein Caucus zeitaufwändig. Nicht jeder schafft es, stundenlang über den richtigen Kandidaten zu debattieren - Alleinerziehende oder Schichtarbeiter zum Beispiel haben damit wohl eher ein Problem als Rentner oder Lehrer. Die Wählergruppen sind darum nicht besonders repräsentativ für die gesamte US-Bevölkerung: ein Hauptkritikpunkt der Caucus-Gegner. In Iowa zum Beispiel ist der Anteil der schwarzen Wähler mit nur etwa zehn Prozent bei den demokratischen Caucuses sehr stark unterrepräsentiert.

Wieso beginnen die Vorwahlen ausgerechnet in Iowa?

Unter dem Druck der 68er-Bewegung reformierten die Demokraten ihr Vorwahlsystem, um es transparenter und offener zu machen. Der ganze Vorwahlprozess wurde dabei deutlich verlängert - weil Iowa ein selbst für amerikanische Verhältnisse kompliziertes Wahlsystem verwendet, wurde der Termin für die Vorwahlen dort besonders früh angesetzt. Seit 1972 ist Iowa immer der erste Vorwahltermin im Nominierungsprozess der Demokratischen Partei. Seit 1976 ist es bei den Republikanern ebenso.

In Iowa geht es bloß um 41 von insgesamt fast 4000 Delegiertenstimmen - warum bekommen die Caucuses dort trotzdem so viel Aufmerksamkeit?

Iowa markiert den Beginn des wichtigen Vorwahl-Prozesses. Wer hier als Sieger dasteht, kann den Schwung möglicherweise in weitere - wichtigere - Wahlgänge mitnehmen. Ein Sieg in Iowa steigert die Bekanntheit, hilft beim Spendensammeln. Und das komplizierte Wahlsystem sorgt überdies dafür, dass es manchmal Außenseiter an die Spitze schaffen. Darum ist Iowa eine der spannenderen Vorwahlen. In der Vergangenheit kam es öfter vor, dass der Sieger von Iowa letztlich auch die Präsidentschaftskandidatur gewann, so war es etwa 2008 (Barack Obama) und 2016 (Hillary Clinton) - was zu einer gewissen Mythenbildung beigetragen hat. Nach dem Chaos in diesem Jahr mehren sich allerdings Kommentare, die dafür plädieren, die Vorwahlen in Iowa künftig weniger wichtig zu nehmen. Denn letztlich geht es eben nur um 41 Stimmen beim Parteikongress.

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