80 Jahre RechercheDie Zeit, tief zu graben

Ralf Wiegand leitet das Ressort Investigative Recherche.
Ralf Wiegand leitet das Ressort Investigative Recherche.
Illustration: Dirk Schmidt/Foto: Friedrich Bungert

Für die großen Enthüllungen muss man oft viele Runden drehen. Deshalb genießen Investigativjournalisten den Luxus, allein ihrer Recherche folgen zu dürfen – egal wie lange es dauert.

Von Ralf Wiegand

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Investigativ zu arbeiten, was heißt das eigentlich? Es bedeutet, hartnäckig zu sein, präzise und unbestechlich. Investigative Recherche prüft Fakten, lässt die falsche Spur fallen und bleibt an der richtigen dran. Öffentliches Interesse und Persönlichkeitsrechte sind anhand von Kriterien wie gesellschaftlicher Relevanz sorgfältig abzuwägen. Wir pflegen und schützen Informanten. Und jeder, über den man recherchiert, hat das Recht, mit den Ergebnissen fair konfrontiert zu werden. Investigative Recherche ist kein Genre, sie ist Handwerk.

Wenn aber doch alle investigativ arbeiten können sollten, warum hat die Zeitung dafür dann doch ein eigenes Ressort? Das hat etwas mit dem Faktor Zeit zu tun. Für die großen Enthüllungen muss man oft viele Runden drehen. Deswegen müssen investigative Journalisten die Freiheit haben, im 24/7-Echtzeit-Nachrichtenbetrieb einer Tageszeitung nicht auftauchen zu dürfen. Sie sind kein Faktor für die Slot-Planung am Newsdesk oder die Produktion der Spätausgabe. Investigative genießen den Luxus, allein ihrer Recherche folgen zu dürfen, die dauert, solange sie eben dauert. Die einzige plausible Definition für einen investigativen Journalisten, notierten die US-amerikanischen Autoren David Anderson und Peter Benjaminson schon 1976, sei ein Journalist mit viel Zeit, um Dinge zu untersuchen.

Diese haben wir vom Ressort Investigative Recherche, das es in dieser Form seit Ende der 1990er-Jahre gibt. Seitdem ist es stetig gewachsen und hat es heute vom Dasein als Exoten-Refugium in die Mitte der Redaktion geschafft:  Zum ersten Mal beginnt in diesem Jahr eine Volontärin ihre Ausbildung in der SZ mit dem Schwerpunkt Investigative Recherche.

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