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Interview-Zoff mit früherem US-Verteidigungsminister:Donald rumst bei al-Dschasira

"Wollen Sie mich anbrüllen?" Ex-Pentagon-Chef Donald Rumsfeld gerät mit einem Journalisten des arabischen TV-Senders al-Dschasira aneinander. Dass der Interviewer bei einer Frage nach den zivilen Opfern des Irakkrieges nicht locker lässt, macht Rumsfeld fassungslos - und wütend.

Beim ersten Mal war noch alles gut gegangen. Donald Rumsfeld hatte dem arabischen TV-Sender al-Dschasira ein Interview gegeben und war voller Lob über dessen Arbeit: Er sei "entzückt", sagte der ehemalige US-Verteidigungsminister, der derzeit seine Memoiren bewirbt. Die in Katar beheimatete Fernsehstation sei "ein wichtiges Kommunikationsmittel der Welt", lobte Rumsfeld.

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Der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gab dem arabischen TV-Sender al-Dschasira zwei Interviews. Eines ging schief.

(Foto: AFP)

Das kam einigermaßen überraschend. 2004 hatte Rumsfeld noch behauptet, al-Dschasiras Berichterstattung über den Irakkrieg, den Kampf der Amerikaner gegen den Diktator Saddam Hussein, sei "bösartig", "fehlerhaft" und "unentschuldbar" und animiere Terroristen dazu, Amerika anzugreifen. Sieben Jahre später war davon zunächst keine Rede mehr. Der für sein hitziges Temperament bekannte Rumsfeld gab sich im Gespräch mit dem britischen Al-Dschasira-Interviewer David Frost äußerst diplomatisch.

Dann sitzt ihm in einem zweiten Interview Abderrahim Fouraka gegenüber, der Leiter des Washingtoner Büros von al-Dschasira. Und der Ton ändert sich drastisch.

"Sie stellen falsche Tatsachen in den Raum"

In einem Ausschnitt, den der Sender unter dem lapidaren Titel "Rumsfeld in hitziger Diskussion mit al-Dschasira" bei Youtube veröffentlichte, gerät Rumsfeld mit dem Journalisten heftig aneinander. Der Streit vor laufender Kamera entzündet sich an Fourakas Frage, ob sich Rumsfeld für die vielen Toten im Irak mitverantwortlich fühle. Schließlich habe es selbst im Pentagon Warnungen davor gegeben, dass 130.000 US-Soldaten nicht genug gewesen seien, um nach der Invasion für Sicherheit zu sorgen.

"Sie stellen nachweislich falsche Tatsachen in den Raum", sagt Rumsfeld verärgert, aber noch beherrscht. Im Pentagon sei niemand der Auffassung gewesen, es gebe zu wenige Soldaten im Irak. Der damalige amerikanische Präsident George W. Bush habe seine Generäle wiederholt gefragt, ob sie mehr Truppen bräuchten. "Und die Antwort war Nein", sagt Rumsfeld.

Fouraka unterbricht ihn daraufhin mit entschuldigender Geste und fragt zwei Mal: "Also war die Truppenstärke richtig?" Damit ist für Rumsfeld das Maß an erlaubtem journalistischen Biss offenbar überschritten. Er fixiert den Interviewer und fragt: "Wollen Sie mich anbrüllen oder wollen Sie ein Interview?"

"Werden Sie nun damit aufhören?"

Der Al-Dschasira-Journalist lacht und beteuert, er genieße das Interview. Aber er lässt nicht locker und wiederholt seine Frage, ob der Verteidigungsminister sich von der Verantwortung für Zehntausende getöteter Zivilisten entbunden sehe.

Rumsfeld antwortet entgeistert: "Werden Sie nun damit aufhören?" Die Frage sei "herablassend", Fouraka behandle ihn "respektlos" und höre nicht auf zu reden. "Das liegt offensichtlich in Ihrer Natur", sagt Rumsfeld zu Fouraka. "Ich sehe, dass Sie das hier genießen."

Es folgt ein Schlagabtausch: "Sie haben mich gerade als Mitarbeiter von al-Dschasira verunglimpft", sagt Fouraka, "aber das ist in Ordnung. Geben Sie mir einfach eine klare Antwort." Rumsfeld kontert: "Warum sollte ich tun, was Sie mir sagen? Sie tun nichts von dem, was ich Ihnen sage."

Letztlich bezeichnet Rumsfeld das Interview als "wertlos". Statt Fragen zu stellen, halte Fouraka eine "Strafpredigt". Er gehe davon aus, dass al-Dschasira das Material ohnehin verschwinden lasse. Ein Irrtum: Auf Youtube kündigt der Sender an, das komplette Interview an drei Terminen auszustrahlen.