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Interview über Blackwater:Erst schießen, dann fragen

sueddeutsche.de: Ist Blackwater eigentlich die größte dieser Firmen?

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Einer der seltenen Autritte des Blackwater-Chefs: Erik Prince sagt im Herbst 2007 vor dem Kongress aus

(Foto: Foto: dpa)

Scahill: Nein, den meisten Umsatz macht die ehemalige Halliburton-Tochter KBR ( Der heutige US-Vizepräsident Dick Cheney war von 1995 bis 2000 Aufsichtsratschef und CEO von Halliburton; Anm. d. Red.). Insgesamt sind 170 private Militärfirmen allein im Irak im Einsatz, aber Blackwater ist die bekannteste und wahrscheinlich auch die beste. Ihr Hauptziel wurde bisher mit großer Brutalität nach dem Motto "Erst schießen, dann fragen" erreicht: Keine der von ihr bewachten Personen wurde ermordet. Von diesem Image lebt die Firma.

sueddeutsche.de: Welche Summen sind im Spiel?

Scahill: Es ist sehr schwer zu schätzen, weil die meisten Verträge unter Verschluss sind, aber es ist definitiv ein Milliardengeschäft. Einige Zahlen gibt es: Blackwater hat Regierungsaufträge in Höhe von 500 Millionen Dollar erhalten - mindestens. Der Einsatz im Irak kostet die USA momentan zwei Milliarden Dollar pro Woche - vierzig Prozent dieser Summe fließen an private Sicherheitsfirmen, die nicht nur Söldner stellen, sondern sich auch um Logistik kümmern.

Ein ehemaliger Elitesoldat bekommt einen Tagessatz von etwa 700 Dollar pro Tag - das ist deutlich mehr, als General Petraeus, der Oberkommandierende der Streitkräfte, verdient. Deswegen sind die Söldner bei den US-Soldaten auch nicht sehr beliebt.

sueddeutsche.de: Blackwater-Chef Erik Prince tritt kaum in der Öffentlichkeit auf. Dokumentiert sind jedoch seine hohe Spenden an die Republikaner. Wer ist dieser Mann?

Scahill: Prince war selbst bei einer Elite-Einheit, den Navy Seals, aber geprägt wurde er durch sein familiäres Umfeld. Die Familie Prince gehört für mich zu den Schattendynastien, jenen wirtschaftlich mächtigen Familienclans, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Erik Princes Vater leitete einen Autozuliefererbetrieb und wurde Milliardär, weil er die Sonnenblende mit integriertem Schminkspiegel erfand. Teile seines Vermögens spendete er für christlich-fundamentalistische Vereinigungen und extrem konservative Politiker. Er gehört zu den "Theokonservativen" - diese Gruppe vermengt radikalen, christlichen Glauben, wirtschaftsliberales Denken mit den außenpolitischen Zielen der Neocons.

sueddeutsche.de: Steckt hinter Blackwater auch eine Ideologie?

Scahill: Prince musste vor einigen Monaten vor dem Kongress Rede und Antwort stehen. Damals sagte er: "Wenn Sie Leute fragen, die mich kennen, werden die Ihnen sagen, dass ich diese Arbeit nicht wegen des Geldes mache." Ich glaube, dass dies die Wahrheit ist. Natürlich will Blackwater viel Geld verdienen, aber es geht auch darum, die Religion wieder auf die Tagesordnung zu setzen und Bushs "Krieg gegen den Terror" zu unterstützen.

sueddeutsche.de: Bis vor kurzem kannten nur Experten den Namen Blackwater. Am 16. September 2007 erschossen Angestellte der Firma in Bagdad grundlos 17 Iraker. Zuvor hatte es ähnlich brutale Fälle gegeben. Wieso erregte dieser Vorfall so viel Aufsehen?

Scahill: Das Besondere an diesem Ereignis war die Reaktion des irakischen Premierministers al-Maliki: Er forderte damals, dass alle Blackwater-Leute das Land verlassen müssen und dass die Schützen im Irak vor Gericht gestellt werden. Schnell kam heraus, dass dies nicht möglich ist: Der ehemalige US-Statthalter Paul Bremer hatte kurz vor seiner Abreise in der mittlerweile berühmt-berüchtigten Order 17 festgeschrieben, dass die Angestellten der Sicherheitsfirmen Immunität genießen. Auch die Zivil- und Militärgerichte in den USA sind nicht zuständig.

sueddeutsche.de: Diese Firmen agieren also in einem rechtsfreien Raum?

Scahill: So ist es. Nach dem 16. September 2007 wurden die betroffenen Söldner schnell ausgeflogen. Ähnliches passierte mit Andrew Moonen: Der Blackwater-Mann hatte an Weihnachten 2006 betrunken einen Leibwächter des irakischen Premiers erschossen. Heute lebt Moonen in Seattle, aber er wurde nicht angeklagt. Momentan versuchen mehrere Angehörige von getöteten Blackwater-Söldnern die Firma zu verklagen, weil sie ihnen Fahrlässigkeit vorwirft, doch die Erfolgsaussichten sind minimal. Die Anwälte von Blackwater argumentieren nämlich, die Contractors seien Teil der US-Streitkräfte und deswegen könnten sie nicht belangt werden.

Lesen Sie auf Seite 3, wieso die modernen Söldnerfirmen auch unter einer Präsidentin Hillary Clinton oder einem Präsident Barack Obama mit lukrativen Aufträgen rechnen können.