bedeckt München 32°

Interview mit Otto von Habsburg (2006):"Für mich ging es nie um die Frage: Thron oder nicht"

Otto von Habsburg Repro: Oliver Das Gupta

Otto von Habsburg als Kleinkind mit Kaiser Franz Joseph I.

(Foto: Repro: Oliver Das Gupta)

90 Jahre nachdem Otto von Habsburg österreichischer Thronfolger wurde, erzählt der CSU-Politiker davon, wie Kaiser Franz Joseph bestattet wurde - und erklärt, warum er Einladungen von Hitler ausschlug. Ein Interview (2006)

SZ.de: Herr von Habsburg, es gibt ein berühmtes Bild von Ihnen, auf dem sie als Vierjähriger an der Hand Ihrer Eltern, des Kaiserpaares, zu sehen sind, bei der Beerdigung des toten Monarchen Franz Joseph vor 90 Jahren, am 30. November 1916. Erinnern Sie sich an diesen Tag?

Otto von Habsburg: Ich erinnere mich daran, ja. Ich bin beeindruckt gewesen, speziell weil ich der Kleinste in einer Menge von riesiggroßen Menschen war. Außerdem war der Tod des Kaisers etwas, was sich sehr in der Atmosphäre ausgewirkt hat. Wenn ein Ereignis die Erwachsenen sehr bewegt, so überträgt sich das auch auf ein Kind.

SZ.de: Eigentlich wären Sie heute Kaiser von Österreich und König und Ungarn. Haben Sie je die Entwicklung, dass Sie es nicht wurden, bedauert?

von Habsburg: Nein. Ich habe eigentlich ein wunderschönes Leben gehabt. Und ich habe noch immer viele Aufgaben, die ich zu erfüllen habe. Und das macht mich sehr glücklich.

SZ.de: Nach dem Ersten Weltkrieg begann für Sie eine lange Zeit des Exils in der Schweiz, in Portugal, später in Belgien und den USA. Wo liegen Ihre Wurzeln?

von Habsburg: Meine Wurzeln sind speziell durch meine Jahre in Amerika gestärkt worden. Meine Wurzeln sind in Europa. Und dass ich innerhalb Europas aus innerer Sympathie mehr mit Mitteleuropa verbunden bin, ist auch verständlich.

SZ.de: Und Österreich?

von Habsburg: Österreich, ja. Und Ungarn, die Slowakei, Tschechien, Kroatien - ich war ja kroatischer Staatsbürger bei meiner Geburt. Das habe ich nicht vergessen. Und ich habe auch heute wieder einen kroatischen Pass.

Otto von Habsburg

Der unerwünschte Thronfolger

SZ.de: Blicken Sie nicht mit Groll auf Österreich, das Sie nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang nicht einreisen ließ?

SZ.de: Dass man sich gelegentlich darüber ärgert, ist verständlich. Aber wenn Österreich angegriffen würde, dann würden Sie sehen, wo meine Wurzeln sind. Ich habe genug Heimaten gehabt, die gefährdet waren. Und zu denen stehe ich hundertprozentig. Und zu Bayern. Denn Bayern hat sich mir gegenüber sehr generös gezeigt.