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Mogherini zur Flüchtlingskrise:"Wir müssen glaubwürdig sein"

EU Parliament talks on refugees crisis

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sorgt sich um den Ruf der Europäischen Union.

(Foto: dpa)
  • Die Außenbeauftragte der EU, Federica Mogherini, warnt im Interview mit der SZ vor einem Ansehensverlust der Union durch den Umgang mit der Flüchtlingskrise.
  • Mogherini warnte vor zu hohen Erwartungen an die EU. Gleichzeitig weist sie Kritik zurück. "Wir tun sehr viel", sagt sie.

Vor dem Flüchtlings-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs hat die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini vor einem internationalen Ansehensverlust der Europäischen Union gewarnt. "Wir müssen glaubwürdig sein und innerhalb unserer Grenzen tun, was wir außerhalb unserer Grenzen fordern", sagte sie der Süddeutschen Zeitung im Interview. "Wir versuchen, in anderen Teilen der Welt für unsere Werte zu werben. Aber das funktioniert nicht, wenn wir es zu Hause nicht schaffen, Respekt vor Minderheiten zu zeigen, beginnend etwa bei Muslimen", mahnte sie.

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Schon jetzt schade der Umgang mit der Flüchtlingskrise der EU in der Außenpolitik. Die inneren Teilungen würden weltweit wahrgenommen. "Das schwächt unsere Glaubwürdigkeit nach außen sehr", sagte sie. Die EU werde "erheblich an Einfluss verlieren, wenn wir es nicht schaffen, uns gemeinsam unserer Verantwortung zu stellen". Schädlich seien auch die gegenseitigen Schuldzuweisungen. "Das führt nirgendwo hin. Die Worte, die jetzt fallen, und die Zäune, die jetzt errichtet werden, bleiben - zumindest in der Erinnerung", warnte sie.

Mogherini warnte vor zu hohen Erwartungen an die EU. "Erst reden wir über die angebliche Ohnmacht der EU, dann wieder sieht es aus, als solle sie alle Flüchtlingsströme weltweit organisieren. Die EU muss ihren Teil leisten, aber sie kann nicht alles tun", sagte sie. Kritik an der EU wies sie zurück. "Auch wenn das nicht mit den Bildern zusammenpasst, die wir gerade sehen: Wir tun sehr viel", betonte sie. "Ziehen Sie unser Geld ab, dann gibt es kein Flüchtlingshilfswerk, dann gibt es keine UN-Agenturen und keine Entwicklungszusammenarbeit. Dann gäbe es auch kaum Geld für die Friedensmissionen in Afrika."

Hier das ganze Interview mit SZ Plus lesen.

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