Interview "Das wäre der Untergang"

Thomas Grätz ist Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands. Er versteht sich als Interessenvertretung der fast 21000 Taxiunternehmen in Deutschland. Die betreiben etwa 53000 Taxen.

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Fast 21000 Taxiunternehmen gibt es noch in Deutschland. Sie betreiben etwa 53000 Taxen. Und sie fürchten kaum etwas so sehr wie die Konkurrenz durch die neuen Fahrdienste.

Von Marco Völklein

Aus Sicht der Taxifahrer geht es bei der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes um ihre Existenz. Für Donnerstag hat der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband bereits zu einer Protestkundgebung vor dem Bundesverkehrsministerium aufgerufen. Fragen dazu an Verbandsgeschäftsführer Thomas Grätz.

SZ: Herr Grätz, was genau befürchten Sie für die Taxibranche?

Thomas Grätz: Sollte das Gesetz so kommen, wie nun bekannt geworden, wäre das der Untergang des Taxigewerbes. Das wäre eine Katastrophe für die ganze Branche.

Warum?

Weil aktuell der Gesetzgeber die Taxiunternehmen vor der Konkurrenz durch Mietwagenbetreiber schützt. So sieht die bislang im Gesetz verankerte Rückkehrpflicht vor, dass ein Mietwagenfahrer zum Betriebssitz zurückkehrt, wenn er einen Auftrag erledigt hat und keinen Folgeauftrag hat. Diese Pflicht soll nach den jetzt bekannt gewordenen Plänen fallen.

Und das wäre schlecht?

Aus unserer Sicht ja. Denn dann würden zahlreiche neue Mietwagenunternehmen, und nichts anderes sind Anbieter wie Uber, Lyft oder Moia, die etablierten Taxibetreiber plattmachen. Die Taxiunternehmen haben aber einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen: Taxis müssen rund um die Uhr verfügbar sein, sie müssen jeden Fahrgast transportieren, und sei es für eine noch so kurze Strecke. Und sie müssen das zu einem fixen Tarif tun, der von der öffentlichen Hand festgelegt wird. Dies alles gilt für Mietwagenunternehmer nicht.

Sie befürchten, dass die Konkurrenz Ihnen lukrative Aufträge wegschnappt?

Es steht zu befürchten, dass die Mietwagenunternehmen Rosinenpickerei betreiben. Die können - weil sie weniger Auflagen haben - zu normalen Zeiten die Taxitarife preislich unterbieten, während sich die Taxis an den Standplätzen die Reifen platt stehen. Und ist dann mehr los, beispielsweise in den Nächten von Samstag auf Sonntag oder in München zum Oktoberfest, werden die das bis zu Zehnfache verlangen, während die Taxiunternehmen die Verluste nicht aufholen können. Das ist alles andere als ein gesunder Wettbewerb.

Die Befürworter argumentieren, durch eine Öffnung des Marktes würden die Städte vom Autoverkehr entlastet.

Und ich sage Ihnen: Das Gegenteil wird geschehen. Bei einer Freigabe wird eine schiere Welle von Mietwagen die Innenstädte fluten, die dort entweder auf der Suche nach Fahrgästen ständig kreisen oder Parkplätze am Straßenrand blockieren werden, was dann wiederum zu einer Zunahme des Parksuchverkehrs führt. Eine Freigabe des Mietwagenverkehrs wird also den Verkehrskollaps in den Städten eher forcieren denn bekämpfen.