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Internet:Per Baidu und Weibo

Wenn Tiktok in den USA gesperrt wird, ist das Netz geteilt.

Von Christoph Giesen

US-Präsident Donald Trump sagt: Die populäre Videoapp Tiktok wird vom chinesischen Staat kontrolliert. Das Unternehmen selbst sagt: Wir sind längst eine amerikanische Firma. Und die chinesische Regierung? Sie beschwert sich, dass einem Konzern aus China in den Vereinigten Staaten Steine in den Weg gelegt werden und deutet Vergeltung an. Dümmlicher kann man kaum argumentieren, wenn man eigentlich belegen möchte, dass Tiktok ein vom Staat unabhängiges Unternehmen ist.

Aber es geht noch absurder. In den chinesischen Staatsmedien wird der Regierung in Washington lautstark vorgeworfen, zu zensieren - ausgerechnet. Die Wahrheit ist: In der Volksrepublik hat sich gerade wegen der Zensur ein ganz eigenes Internet herausgebildet. Statt zu googeln, suchen Chinesen mit Baidu. Weil Facebook verboten ist, tauschen sie sich per Wechat mit ihren Freunden aus. Und der vom US-Präsident so geschätzte Kurznachrichtendienst Twitter ist ebenfalls gesperrt, die vom Staat überwachte Alternative heißt Weibo.

Tiktok war die erste App chinesischen Ursprungs, die sich anschickte, jenseits der großen Firewall das Internet zu erobern. Damit könnte es wohl bald vorbei sein. Das Netz wäre dann zweigeteilter denn je: China hier, und der Rest der Welt dort.

© SZ vom 03.08.2020

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