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Internationaler Frauentag:Sexismus ist ein Problem

Ein weiteres beruhigendes Ergebnis sei gewesen, dass die befragten Frauen sämtliche Tools, also (Kommunikations-) Werkzeuge, die für die Partei wichtig sind, genauso intensiv nutzen wie Männer - zum Beispiel Twitter, Mailinglisten oder auch die parteiinterne Beteiligungs- und Abstimmungsplattform Liquid Feedback. "Da haben wir vielleicht sogar einen Vorteil gegenüber den etablierten Parteien, bei denen es eine sehr starke Präsenzkultur gibt", sagt Lena Rohrbach, "da ist es enorm wichtig, beim Stammtisch dabei zu sein. Viele Frauen haben dafür aber keine Zeit, wenn sie zum Beispiel ihre Kinder ins Bett bringen müssen." Schließlich seien es auch heute noch überwiegend Frauen, die sich um die Kinder kümmern oder alleinerziehend seien. Online ließe sich Politik und Familie schlicht besser vereinbaren.

Doodle

Google Doodle in Lila mit Blümchen: Der aktuelle Beitrag der Suchmaschine zum Frauentag im Netz - fortschrittlich oder gestrig?

(Foto: Screenshot: Google)

Doch es gab auch Ergebnisse, die die beiden schockiert haben: Über ein Viertel der weiblichen Parteimitglieder wurden schon einmal sexistisch beschimpft. Jedes dritte Mal, so steht es in der Studie, "wird ein solcher Vorfall belächelt, weggeschwiegen oder ignoriert".

Ein unguter Vorfall, an den sich beide Initiatorinnen erinnern, war, dass die Piratenpartei in ihrer ersten Wachstumsphase von selbsternannten Maskulinisten unterwandert wurde - also von Männerrechtlern, die sich als Gegenbewegung zum Feminismus verstehen. "Ihre Ansichten wurden in der Partei aber niedergeschmettert", sagt Lena Rohrbach. Sie findet deswegen den alltäglichen Sexismus schlimmer - dass Frauen als Schlampen bezeichnet werden. "Auch Sprüche wie 'Frauen und Technik' kommen manchmal", sagt sie.

Frauen stören die Shitstorms besonders

Dazu passt auch, dass Frauen aus ganz anderen Gründen kein Parteiamt antreten als Männer: Bei den Männern sind der hohe Arbeitsaufwand und drohende Überforderung die Hauptgründe. Die spielen zwar auch bei den Frauen eine große Rolle - doch die weiblichen Mitglieder geben dazu wesentlich häufiger zwischenmenschliche Aspekte als Hinderungsgründe an: Die Angst vor den berüchtigten Shitstorms, den unangenehmen Aufstellungs- und Befragungsprozessen, parteiintern "Kandidatengrillen" genannt, oder die Befürchtung, Teamkollegen könnten sich als unsympathisch erweisen.

Auf den ersten Blick passt das natürlich wunderbar ins Klischee der konfliktscheuen Frau. Lena Rohrbach will trotzdem nicht von Angst sprechen: "Frauen und Männer werden schon als Kinder völlig unterschiedlich sozialisiert. Jungen dürfen raufen und hören: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Bei Mädchen sieht das ganz anders aus."

Was nun der Schluss aus alledem ist? Lena Rohrbach und Laura Dornheim ging es zunächst darum, die Debatte auf eine sachliche Ebene zu bringen. "Wir wollen, das Geschlechterpolitik genauso als Politikfeld anerkannt wird wie alles andere", sagt Dornheim. Konkrete Maßnahmen wollen sie daraus zunächst nicht ableiten. Das ist auch ein schwieriges Thema: Eine Frauenquote zum Beispiel lehnen 86 Prozent der Befragten für die eigene Partei ab.

Rohrbach versteht das: "Unser Problem liegt nicht unbedingt in der Führung, sondern in der Basis." Es gebe schlicht viel weniger Frauen als Männer - und da lasse sich mit einer Quote nicht viel machen. Ein Teilnehmer der Umfrage beschreibt das Dilemma ironisch: "Die Idee eine Frauenquote in der Mitgliederbasis einzurichten finde ich dagegen total super. Da stellt dann jemand einen Mitgliedsantrag, wird gefragt ob er/sie Männlein oder Weiblein sein möchte, sagt er männlich, sagt die Piratenpartei: Gut, musst du erst noch 42 Frauen mitbringen, vorher kommst hier nicht rein."

Auch passe eine Frauenquote nicht in das Verständnis von piratiger Politik, erklären Rohrbach und Dornheim - denn eigentlich, so steht es im Grundsatzprogramm, will man die Mitglieder nicht zwingen, sich auf eines von zwei Geschlechtern festzulegen.

Interessant ist allerdings, dass diese rigorose Einstellung offenbar hauptsächlich für die eigene Partei gilt: Vor einigen Monaten gab es eine Online-Abstimmung zur Berliner Erklärung, die eine verbindliche Frauenquote für Unternehmen fordert. Die Initiative unterstützte zwar nicht die Forderung der Berliner Erklärung nach möglichst umfassenden Quoten - aber durchaus dort, "wo dies als geeignetes, erforderliches und angemessenes Mittel erscheint". Der Antrag wurde mit einer knappen Mehrheit angenommen.