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Internationale Rüstungsdeals:Deutsche Firmen profitieren vom Waffenboom

Das Geschäft mit dem Krieg wächst weiter: Der weltweite Handel mit Waffen hat in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen. Wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet, kaufen vor allem asiatische Staaten Rüstungsgüter. Bei den Exporten haben deutsche Unternehmen überdurchschnittlich zugelegt - sie zählen zu den größten Waffenlieferanten.

Saudi-Arabien will mindestens 200 deutsche Leopard-Panzer kaufen. Israel und die Türkei bestellten unlängst U-Boote bei der Kieler Werft HDW. Jeder dieser Aufträge ist eine dreistellige Millionensumme wert, berichtet das Handelsblatt. Die Konzerne Rheinmetall und MAN wollen den Transportpanzer Fuchs künftig in Algerien herstellen. In Saudi-Arabien baut die EADS-Tochter Cassidian eine Grenzsicherungsanlage auf.

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Saudi-Arabien will mindestens 200 deutsche Kampfpanzer des Modells Leopard kaufen. Der Deal ist umstritten, weil die Saudis mit ihren Panzern halfen, den Arabischen Frühling im Nachbarstaat Bahrain niederzuschlagen.

(Foto: Sebastian Widmann/dapd)

Viele deutsche Rüstungsfirmen haben sich auf den Bau von Panzern oder die Entwicklung elektronischer Sicherheitssysteme spezialisiert. Sie setzen auf den Export und profitieren vom derzeitigen Waffenboom, wie der Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri beweist. Das Volumen der Rüstungsgeschäfte nahm demnach im Zeitraum 2007 bis 2011 um knapp ein Viertel im Vergleich zu den vorherigen fünf Jahren zu. Die Bundesrepublik steigerte ihre Rüstungsexporte im gleichen Zeitraum um 37 Prozent.

Die meisten deutschen Waffen (41 Prozent) gehen demnach an europäische Länder, gefolgt von Asien und Ozeanien (27 Prozent) und Amerika (zwölf Prozent). Auf einzelne Länder heruntergerechnet ist Griechenland der größte Abnehmer deutscher Rüstungsgüter. Der finanziell angeschlagene Staat importierte von 2007 bis 2011 ungefähr 13 Prozent des Gesamtvolumens der deutschen Exporte. Absolute Zahlen nennt der Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts nicht.

Im internationalen Ranking der Exportnationen belegt Deutschland Platz drei hinter den USA, die einen Anteil von 30 Prozent an den weltweiten Waffenverkäufen haben, und Russland (24 Prozent). Die Quote der Bundesrepublik beläuft sich auf neun Prozent, Rang vier geht an Frankreich mit acht Prozent und Rang fünf an Großbritannien mit vier Prozent.

Auffällig sei der Aufstieg Chinas als Waffenexporteur, sagte Sipri-Experte Mark Blomley der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem Pakistan habe chinesische Rüstungsgüter wie Schiffe oder Kampfflugzeuge gekauft.

Indien importiert die meisten Waffen

Größter Importeur von Rüstungsgütern ist Sipri zufolge Indien mit zehn Prozent, gefolgt von Südkorea mit sechs Prozent, Pakistan und China mit je fünf Prozent und Singapur mit vier Prozent. Syrien steigerte seine Waffenimporte seit dem Jahr 2002 um das Sechsfache, 72 Prozent der Rüstungsgüter stammten aus Russland. In Venezuela nahmen die Rüstungskäufe aus dem Ausland im gleichen Zeitraum um 555 Prozent zu. Laut Sipri hatte der Arabische Frühling aber nur eine geringe Auswirkung auf die internationalen Waffendeals.

Das schwedische Institut Sipri wertet Rüstungsgeschäfte im Fünfjahreszeitraum aus. So sollen starke Schwankungen durch einzelne Großaufträge ausgeglichen werden. Bereits Ende Februar hatte Sipri Daten über die Geschäfte der 100 größten Waffenkonzerne veröffentlicht. Demzufolge wurden 2010 Rüstungsgüter im Wert von rund 411 Milliarden Dollar (etwa 305 Milliarden Euro) gehandelt.

Das weltweite Waffengeschäft verzeichnete nach Ansicht der Experten vor allem nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 ein kräftiges Wachstum. Seit 2002, so hat Sipri berechnet, steigerten die führenden Rüstungsunternehmen weltweit ihre Umsätze um 60 Prozent.

Von den 100 größten Konzerne haben 73 ihren Sitz in den Vereinigten Staaten und Westeuropa. Die führenden Unternehmen sind Lockheed Martin aus den USA und BAE Systems aus Großbritannien. Die umsatzstärkste deutsche Firma ist Rheinmetall auf Platz 31.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/mest/crg/gba
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