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Internationale Pressestimmen zur Wahl in Griechenland:"Offiziell unregierbar"

In Griechenland haben nach der Wahl die Extreme gesiegt. In der internationalen Presse dominiert die Angst, dass das Land unregierbar wird und Europa immer tiefer in die Krise rutscht. Außerdem wird erneut über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone spekuliert.

Bei den griechischen Parlamentswahlen mussten die beiden großen Volksparteien - die konservative Nea Dimokratia (ND) und die sozialistische Pasok - dramatische Einbußen hinnehmen. Beide Parteien kommen zusammen lediglich auf 32 Prozent und erreichen damit keine Regierungsmehrheit. Die Neonazis der "Goldenen Morgenröte" sowie die radikalen Linken von "Syriza" ziehen erstmalig in das Parlament ein. Nun stehen Griechenland schwierige Koalitionsverhandlungen bevor.

Greek elections aftermath

Die Präsidentschaftswahlen werden in Griechenland noch lange die Titelseiten beherrschen.

(Foto: dpa)

The Guardian (Großbritannien): "Es ist schwer etwas anderes zu sehen, als Instabilität, Lähmung und, angesichts der Ergebnisse, vielleicht sogar Neuwahlen", schreibt der Guardian. Die Zeitung hält es für höchst zweifelhaft, dass es überhaupt zu einer Einigung zwischen rechten und linken Kräften kommt. Zusätzlich sei die neue Regierung dem enormen Druck von Berlin und Brüssel ausgeliefert, die drakonischen Bedingungen für das Rettungspaket zu erfüllen. Somit wird erneut darüber spekuliert, ob "Griechenland die Eurozone verlässt oder rausgeworfen wird".

De Morgen (Belgien): Auch wenn Europa durch den Sieg Hollandes in Frankreich "etwas roter geworden ist", sieht die belgische Tageszeitung "Gewitterwolken" über dem Kontinent aufziehen: "In dem Moment, in dem sich Hollande zum Sieger ausrufen konnte, wurde bekannt, dass linke Radikale und regelrechte Neonazis die Wahlen gewonnen haben." Griechenland sei nun völlig führungslos, wodurch Europa noch viel tiefer in die Krise zu gleiten drohe.

De Telegraf (Niederlande): "Es ist nicht mehr sicher, dass die Griechen vereinbarte Sparmaßnahmen einhalten. Dadurch wird es immer wahrscheinlicher, dass dieses Land die Eurozone verlässt. Ob das einen Schock bewirkt, muss sich erst noch zeigen."

Handelsblatt (Deutschland): Die Gewinner der Wahl waren die Extremisten. Die Regierungsparteien hätten für ihre Sparpolitik eine herbe Abfuhr erhalten, schreibt das Handelsblatt. "Der harte Konsolidierungskurs, auf den sich die Regierung im Gegenzug für internationalen Milliarden-Hilfen einlassen musste, steht damit auf der Kippe. Nea Demokratia und Pasok sind die beiden einzigen Parteien, die hinter dem EU/IWF-Sparprogramm stehen."

El Mundo (Spanien): "Offiziell unregierbar", schreibt die Zeitung über Griechenland nach der Wahl. Die Wahlergebnisse würden die schlimmsten Befürchtungen Brüssels bestätigen. El Mundo glaubt nicht daran, dass in den nächsten Tagen tatsächlich eine neue Regierung zustande kommen könnte. Es sei wahrscheinlicher, dass es in einem Monat Neuwahlen gebe.

Republica (Italien): Die linke Tageszeitung Republica bezeichnet die Mission von Antonis Samaras, Parteichef von Nea Demokratika, eine Regierung zu bilden, als "schwierig, aber nicht unmöglich": "Er wird an die Tür von Pasok klopfen, die bereits die Regierung unter Loukas Papademos mitgetragen hat." Republica sieht beide Parteichefs in der Pflicht, sich zu einigen. Schließlich seien sie es gewesen, die vor zwei Jahren versprachen, Griechenland mit der Unterstützung von Brüssel und Washington aus der Krise zu führen.

Corriere della Sera (Italien): Die rechtsliberale Zeitung wertet das Votum in Griechenland als eine Wahl des Zorns. Die Wähler hätten diejenigen abgestraft, die sie regieren. Das Ergebis sei aber nicht als Nein gegen Europa zu werten: "Die große Mehrheit der Griechen glaubt, dass ein Griechenland außerhalb Europas verloren wäre."

Standard (Österreich): Wut hätten die Griechen im Bauch gehabt, als sie am Sonntag wählen gingen. Eine Lösung ihrer Probleme habe sich die Mehrheit der Griechen ohnehin nicht erwartet, schreibt der Standard. "Was sichtbar werden sollte, war die Wut und der Wunsch an die eigene Regierung, aber auch an die EU: Reformen ja, aber maßvoller und vor allem sozial verträglicher."

© Süddeutsche.de/mikö
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