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Internationale Presseschau:"Schmidt war wie ein Terrier, unduldsam gegenüber Mittelmäßigkeit"

Schmidt und  Giscard d'Estaing

Auch international von vielen geschätzt: Helmut Schmidt im Jahr 1980 mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Helmut Schmidt, Mann von Welt: Das schreiben die internationalen Zeitungen über den verstorbenen Politiker.

Die deutschen Medien verabschieden sich von Helmut Schmidt mit viel Wehmut. Auch in der internationalen Presse wird der Altkanzler umfassend gewürdigt. Ein Überblick:

Der britische Economist:

He was so clever, and so rude with it, that his listeners sometimes realised only too late that they had been outwitted and insulted. Helmut Schmidt did not just find fools tiresome. He obliterated them. The facts were clear and the logic impeccable. So disagreement was a sign of idiocy.

"Er war dermaßen clever und ging so rotzfrech damit um, dass seine Zuhörer manchmal zu spät bemerkten, dass sie gerade überlistet und beleidigt wurden. Helmut Schmidt fand Dummköpfe nicht nur lästig. Er radierte sie aus. Die Fakten waren eindeutig und die Logik unfehlbar. Dissens war deshalb ein Zeichen der Idiotie."

Yet his brains, eloquence and willpower were unmatched in German politics.

"Seine Intelligenz, Eloquenz und Willensstärke waren unerreicht in der deutschen Politik."

Die US-Tageszeitung New York Times widmet Schmidt eine kritische Würdigung:

positiv:

Mr. Schmidt was for decades one of West Germany's most popular politicians. With a firm jaw and intense gray eyes, he was handsome, witty and supremely self-possessed. In public he was a magnetic speaker and a pugnacious debater. (He was known as "Schmidt the Lip" early in his career.) Cultured and erudite, he was also an accomplished classical pianist and writer. As recently as 2013, in a poll by Stern magazine, he was ranked as Germany's most significant chancellor.

"Helmut Schmidt war jahrzehntelang einer der beliebtesten Politiker in Westdeutschland. Er war gutaussehend, mit markantem Kinn und intensiv grauen Augen, geistreich und hatte sich in höchstem Maße unter Kontrolle. In der Öffentlichkeit kannte man ihn als unwiderstehlichen Redner und streitsüchtigen Debattierer. (Schon zu Beginn seiner Karriere trug er den Spitznamen "Schmidt-Schnauze".) Er war kultiviert und gebildet, außerdem ein versierter Pianist und Schreiber. Noch im Jahr 2013 wurde er in einer Umfrage des Stern zum bedeutendsten Kanzler gewählt."

negativ:

Mr. Schmidt made grievous policy errors, which were compounded by his unwillingness to admit fallibility and his seeming disregard for diplomacy, with allies and foes alike. They were failings that led the Bundestag, Germany's parliament, to dismiss him after eight years in office.

"Helmut Schmidt traf schwerwiegende politische Fehlentscheidungen, gepaart mit einem Widerwillen, Fehler einzugestehen und einer, wie es wirkte, Missachtung für Diplomatie, ob mit Freunden oder Feinden. Es waren Versäumnisse, die dazu führten, dass der Bundestag Helmut Schmidt nach acht Jahren Amtszeit sein Misstrauen aussprach."

Tod des Altkanzlers

Deutschland trauert um Helmut Schmidt

Der britische Telegraph:

Small in stature and, physically, surprisingly frail, Schmidt was a tough, terrier-like politician, impatient of mediocrity. He had an intellectual breadth and versatility rare among modern German politicians, and he knew it.

"Schmidt war klein an Gestalt und, körperlich überraschend schwächlich, aber er war ein taffer Politiker, wie ein Terrier, unduldsam gegenüber Mittelmäßigkeit. Er hatte eine intellektuelle Größe und Vielseitigkeit, wie es sie nur selten gab unter zeitgenössischen deutschen Politikern. Und er wusste das."

Die französische Le Monde:

Son passage à la chancellerie avait été relativement bref, huit ans contre quatorze pour Adenauer, ou seize pour Helmut Kohl ; son nom n'était lié à aucune réalisation spectaculaire, comme l'Ostpolitik, la politique de normalisation avec les pays communistes, pour Willy Brandt, ou la réunification de l'Allemagne, pour Helmut Kohl. Pourtant, il était devenu le " vieux sage " de la République, dont les avis étaient toujours attendus avec intérêt, que ce soit sur la montée de la Chine, les interventions extérieures de la Bundeswehr qu'il désapprouvait - que sont allés chercher les Occidentaux en Afghanistan, se plaisait-il à répéter, un pays auquel ils ne comprennent rien ? -, ou la monnaie européenne qu'il avait anticipée sous la forme du système monétaire européen avec son ami Valéry Giscard d'Estaing.

"Seine Kanzlerschaft währte vergleichsweise kurz: acht Jahre, gegenüber 14 für Adenauer oder 16 für Helmut Kohl; sein Name ist mit keiner spektakulären politischen Maßnahme verbunden wie die Ostpolitik mit Willy Brandt oder die Wiedervereinigung mit Helmut Kohl. Und doch wurde er zum "weisen Alten" der Republik, auf dessen Meinung alle mit Interesse warteten: sei es zum Aufstieg Chinas, zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr, die er missbilligte - Was hat der Westen in Afghanistan zu suchen, pflegte er zu fragen, ein Land, von dem er nichts versteht? - oder zur europäischen Gemeinschaftswährung, die er mit seinem Freund Valéry Giscard d'Estaing auf den Weg gebracht hatte."

Der britische Guardian:

He certainly seemed to be a man of reaction rather than action, responding, however brilliantly, to events rather than initiating them. But he formed a close friendship with Valéry Giscard d'Estaing, the right-of-centre French president, who also spoke almost perfect English. Politically, too, they spoke the same language, while the "Bonn-Paris axis" on which the European Union turned grew even stronger. Their chief joint achievement was the European currency unit (Ecu) in 1978, the prelude for the Euro.

"Er war sicherlich eher ein Mann der Reaktion als der Aktion, der, wenn auch in brillanter Weise, eher auf Ereignisse reagierte, als dass er sie selbst lostrat. Er knüpfte eine enge Freundschaft mit Valéry Giscard d'Estaing, dem französischem Mitte-rechts-Staatspräsidenten, der ebenfalls fast perfektes Englisch sprach. Auch politisch gesehen sprachen sie die gleiche Sprache, während die "Achse Bonn-Paris", auf der sich die Europäische Union drehte, immer stärker wurde. Ihre gemeinsame Hauptleistung liegt im Etablieren der europäischen Währungseinheit (Ecu), dem Vorläufer des Euro."

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Ihre Gedanken zum Tod von Helmut Schmidt

Helmut Schmidt ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Ein Kondolenzbuch.

Wall Street Journal:

Mr. Schmidt was a pivotal figure in Cold War-era politics, a committed - and at times isolated - supporter of the trans-Atlantic alliance who earned respect for his uncompromising stance toward the leftist terrorism that roiled the country during his tenure. A center-left politician with a realist streak, he remained one of Germany's most highly regarded public figures.

"Herr Schmidt war eine Schlüsselfigur in der Ära des Kalten Krieges, er war ein engagierter - wenn auch zeitweise isolierter - Unterstützer des transatlantischen Bündnisses, der sich Respekt verdiente für seine kompromisslose Grundhaltung gegenüber dem Linksterrorismus, der das Land während seiner Amtszeit in Aufruhr versetzte. Der Mitte-links-Politiker mit seinem Hang zum Realismus blieb einer von Deutschlands hochgeschätztesten Personen des öffentlichen Lebens."