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Internationale Gewässer:USA erwägen Vernichtung syrischer Chemiewaffen auf See

Wohin mit Sarin und Senfgas aus Assads Arsenal? Mehrere Länder lehnen es ab, die syrischen Chemiewaffen auf ihrem Territorium zu zerstören. Darunter ist auch Deutschland.

Die USA ziehen in Betracht, Teile des syrischen Chemiewaffen-Arsenals auf See zu vernichten. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf US-Regierungsvertreter.

Die für den Waffenbau benötigten Chemikalien sollen auf ein Schiff gebracht und unter Aufsicht der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) unschädlich gemacht werden.

Mehrere Länder hatten es abgelehnt, die Chemikalien auf ihrem Territorium zu zerstören. Darunter ist auch Deutschland. "Es ist für uns nicht denkbar, dass die Vernichtung in Deutschland stattfindet", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung stehe aber zu ihrem Angebot, die Zerstörung der Waffen logistisch und finanziell zu unterstützen. Deutschland besitzt große Expertise bei der Vernichtung von C-Waffen, da es noch immer mit der Beseitigung der chemischen Altlasten aus zwei Weltkriegen beschäftigt ist.

Zuvor hatten Aussagen des außen- und sicherheitspolitischen Beraters von Kanzlerin Angela Merkel, Christoph Heusgen, für Verwirrung gesorgt. Das Militär-Blog Augen geradeaus hatte den Diplomaten mit den Worten zitiert, es sei nicht ausgeschlossen, dass auch Deutschland einen Beitrag zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen leisten werde.

Einer Vernichtung auf internationalen Gewässern muss kein bestimmtes Land zustimmen

Die internationale Gemeinschaft sucht weiter nach einem Land, das die syrischen C-Waffen auf seinem eigenen Territorium vernichtet. Albanien hatte eine solche Anfrage vor einigen Tagen abgelehnt. Dort war es vor der Entscheidung letzten Freitag zu Massenprotesten gekommen.

Derzeit werden laut New York Times zwei Methoden geprüft, um die Waffen auf See zu vernichten. Eine sieht vor, die Chemikalien auf einem Frachtschiff innerhalb von 60 Tagen mit fünf Verbrennungsanlagen zu zerstören. Würden die Chemikalien auf internationalen Gewässern zerstört, müsste kein bestimmtes Land zustimmen.

Die andere Methode wurde vom Pentagon entwickelt: Dabei werden die Chemikalien mit Wasser und anderen Chemikalien gemischt oder erhitzt. So werden sie in Stoffe umgewandelt, die militärisch nicht genutzt werden können. Dieses System sei innerhalb von 10 Tagen einsatzfähig, sagten US-Regierungsvertreter nach der New York Times. Dennoch habe die US-Regierung aber die Suche nach einem Land nicht aufgegeben, in dem die Waffen zerstört werden könnten.

Erst vor wenigen Tagen hat die OPCW einen detaillierten Zeitplan für die Zerstörung der in Syrien lagernden Kampfmittel verabschiedet. Die Vereinbarungen sehen vor, dass die gefährlichsten Kampfstoffe bis Jahresende aus Syrien herausgeschafft werden. Alle weiteren Kampfmittel und deren Vorläufer müssen demnach bis zum 5. Februar abtransportiert werden. Die einzige Ausnahme gilt für Isopropanol, eine Flüssigkeit, mit deren Hilfe das Nervengas Sarin hergestellt werden kann. Je nach "Risikograd" müssen außerdem alle C-Waffen-Standorte zwischen Mitte Dezember und dem 15. März unschädlich gemacht werden, vernichtet werden die wichtigsten Kampfstoffe dann bis April, alle anderen bis Ende Juni 2014.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/Schnabel/ratz
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