bedeckt München 22°

Internationale Allianz gegen IS:Assad kann sich rehabilitieren

In Syrien ist das anders. Präsident Assad hat erkennen lassen, dass er den Einsatz der US-Jets begrüßen würde, solange sie seinen gefährlichsten Gegner angreifen. Aber er stellt Bedingungen: Damaskus müsse über Einsatzpläne informiert werden, die Geheimdienste beider Staaten müssten zusammenarbeiten. Russland als Mitglied des UN-Sicherheitsrats und Assads Verbündeter hat sofort mitgeteilt, dass Luftangriffe ohne Erlaubnis aus Damaskus "eine Aggression" gegen einen souveränen Staat wären.

An der Seite der Assad-Soldaten stehen weitere Verfemte

Ohne die Einwilligung des syrischen Regimes können die USA und ihre buntscheckige Koalition der Willigen also schwer gegen den IS vorgehen. Die Genehmigung Assads kann US-Präsident Barack Obama aber kaum erbitten. Schließlich hatte er nach dem Einsatz von Giftgas durch die syrische Armee im August 2013 gedroht, die strategischen Einrichtungen des Regimes anzugreifen und so die Anti-Assad-Rebellen in Richtung Sieg zu bomben.

Zu den angedrohten Luftschlägen kam es aber nie. Assad hatte die "rote Linie" mit den Giftgaseinsätzen ungestraft überschreiten und politischen Gewinn daraus ziehen können. Er willigte im Herbst 2013 ein, seine Giftgasbestände zu vernichten, was er heute weitgehend erfüllt haben soll und seinem Ruf als unliebsamem, aber zuverlässigem Partner dient.

Mit dem Kampf gegen den IS scheint sich eine noch bessere Möglichkeit zur Rehabilitierung Assads zu eröffnen. Ohne oder gar gegen das Regime und seine Armee lässt sich der IS schwer bekämpfen, Luftangriffe allein werden zum Sieg kaum ausreichen. Eigene Bodentruppen wollen weder die Amerikaner noch die Briten, Franzosen, Saudis oder Emiratis schicken: Die syrische Armee und die mit ihr verbündeten Milizen wären ideale Partner.

An der Seite der Assad-Soldaten stehen allerdings noch andere Verfemte: Die libanesische Hisbollah-Miliz, die in den USA als Terrororganisation gilt, hat Tausende Kämpfer nach Syrien geschickt. Sie stellen die Eliteeinheiten bei Häuserkämpfen in den zerstörten Städten Syriens. Beraten und trainiert werden Assads Truppen zudem von den Iranern. Offiziere der Al-Quds-Elitetruppe sollen auch aktiv an den Kämpfen teilnehmen. Irans graue Geheimdienst-Eminenz, der frühere Al-Quds-Kommandeur Kassem Soleimani, soll die Einsätze im Irak und in Syrien leiten.

© SZ vom 16.09.2014/fued

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite