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International - Windhoek:Bundesratspräsident schließt Gespräche in Namibia ab

Windhuk (dpa/lno) - Für den Bau von Marineschiffen in Kiel für die angolanische Marine sind noch Finanzierungsfragen zu klären. Das Interesse Angolas sei groß, sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Im Moment ist noch nicht darüber entschieden, wie es mit der Finanzierung aussieht - es ist noch nicht in trockenen Tüchern." Seine Landesregierung wolle im Hinblick auf Finanzierungsfragen Kontakt mit der Bundesregierung aufnehmen. Günther zog ein sehr positives Fazit seiner einwöchigen Afrika-Reise, die ihn als Bundesratspräsident auch nach Namibia führte. "Die Perspektiven sind ausgesprochen gut", sagte der CDU-Politiker.

Über die Finanzierung von Patrouillenbooten aus Deutschland hatte Günther in Angola auch mit dem Staatspräsidenten sowie den Ministern für Verteidigung und Finanzen gesprochen. Es gebe dort den klaren politischen Willen, die Armee umzustrukturieren. Sie sei bisher noch nicht darauf eingestellt, die Küsten zum Beispiel auch gegen Piraterie zu schützen. "Wir haben schon gespürt, dass die Kompetenz der Werften in Schleswig-Holstein in Angola absolut anerkannt ist", sagte Günther. Bei seiner Reise dabei war auch der Chef der Kieler Werft German Naval Yards, Jörg Herwig.

"Wir haben in Angola sehr genau wahrnehmen können, dass die Regierung dort einen Kurswechsel eingenommen hat in vielen Bereichen", sagte Günther. "Wichtig ist, dass es dort den ernsthaften Willen gibt, Korruption stärker zu bekämpfen." Das sei ein wichtiges Signal für Unternehmen, die in dem südwestafrikanischen Land investieren wollen. "Wir haben dort große Resonanz zum Thema erneuerbare Energien bekommen - da gibt es Chancen, in diesem Bereich dort tätig zu werden." Hier seien viele Kooperationsmöglichkeiten denkbar.

Sehr wichtig sei beiden von ihm besuchten Ländern ein Ausbau des Studentenaustauschs, sagte Günther. In Namibia sei ihm angesichts der dortigen dramatischen Dürre auch bewusst geworden, was der Klimawandel gerade in dieser Region anrichte. Deutschland müsse als Vorreiter dem Klimawandel entgegenwirken. "Wir haben in Namibia sehr konkrete Angebote gemacht, was erneuerbare Energien angeht." Als Beispiele nannte Günther die Nutzung von Wasser- und Windkraft sowie die Solarenergie. "Da bahnen sich sehr konkrete Projekte an, die wir realisieren wollen." Bei der Reise vertretene Unternehmen hätten dazu konkrete Gespräche geführt. Eine Vertiefung bahne sich auch in der Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Flensburg und der Universität für angewandte Ingenieurwissenschaften in der namibischen Hauptstadt Windhuk an.

Im Hinblick auf Forderungen aus Namibia nach finanzieller Wiedergutmachung für Verbrechen von Kolonialtruppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts sagte Günther: "Über das Thema Finanzen haben wir gar nicht gesprochen". Er verwies auf Gespräche der Bundesregierung. Günther betonte, Deutschland stelle sich seiner Verantwortung für das begangene Leid. "Mein Besuch sollte das Zeichen setzen, dass wir möglichst schnell auch Ergebnisse finden", sagte der Bundesratspräsident.

Deutschland habe in Namibia schon viel auf den Weg gebracht, sagte Günther. Seit der deutschen Wiedervereinigung habe es Entwicklungshilfe im Volumen von einer Milliarde Euro geleistet. "Das ist der Weg, den wir auch weiter beschreiten sollten."