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Integration von Flüchtlingen:DGB: Der Osten braucht die Flüchtlinge

Demo gegen Fremdenhass in Dresden

Davon bräuchte es mehr im Osten. Teilnehmer einer Demonstration gegen Fremdenhass ziehen mit einem "Refugees welcome"-Schild durch die Dresdner Innenstadt.

(Foto: dpa)

Asylbewerber könnten helfen, den Fachkräftemangel in Ostdeutschland zu beheben, glaubt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Wegen Vorurteilen würde eine große Chance vergeben.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert eine gezielte Qualifizierung von Flüchtlingen. Auf diese Weise könne der zunehmende Fachkräftemangel eingedämmt werden, sagte DGB-Bundesvorstandsmitglied Stefan Körzell der in Chemnitz erscheinenden Freien Presse. Insbesondere in Sachsen, aber auch in anderen Regionen Ostdeutschlands, fehlten viele Fachkräfte. Diese Entwicklung werde sich in den kommenden zehn Jahren verschärfen. Die weit verbreiteten Ressentiments gegenüber Flüchtlingen führten jedoch dazu, dass der Osten eine große Chance vergebe.

Die Freie Presse zitiert Erkenntnisse aus sächsischen Kommunen und Jobcentern, nach denen viele Flüchtlinge nach ihrer behördlichen Anerkennung in ein westdeutsches Bundesland weiterzögen. Dabei spielten zunehmende Anfeindungen eine Rolle. Wenn es den Flüchtlingen im Osten schwer gemacht werde, sagte Körzell, "gehen sie dahin, wo sie sich angenommen fühlen".

Körzell sieht eine Parallele zu den Gastarbeitern, die Anfang der sechziger Jahre nach Westdeutschland kamen. Auch sie wurden anfangs als Konkurrenten wahrgenommen und seien auf Vorbehalte gestoßen. "Doch die Zuwanderer wurden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht und irgendwann waren sie auch gesellschaftlich anerkannt. Die Erkenntnis muss reifen, dass es auch in Ostdeutschland so sein wird."

Im Vergleich zur historischen Situation habe man heute den Vorteil, dass es seit kurzem den gesetzlichen Mindestlohn gebe. Gäbe es diesen nicht, könnten Flüchtlinge ihre Dienste zu geringeren Preisen anbieten und so einen Abwärtstrend auslösen. "Der Konkurrenzdruck würde zu Angst um den Arbeitsplatz und erst recht zu Ablehnung der Flüchtlinge führen", so Körzell.

© SZ.de/dpa/jly/vit
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