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Integration:Ja, aber

Fünf Jahre später: Haben wir es wirklich geschafft?

Von Henrike Rossbach

Als 2015 und 2016 immer mehr Menschen in Deutschland Zuflucht suchten, wuchs bei vielen hierzulande die Sorge, ob das "Wir schaffen das" der Kanzlerin sich nicht als leeres Versprechen entpuppen würde. Selbst den größten Optimisten war schnell klar, dass die Integration von einer Million Geflüchteter in Gesellschaft, Schulen und Arbeitsmarkt ein Langstreckenlauf werden wird.

Ob Angela Merkel recht behalten hat, lässt sich heute, fünf Jahre später, am ehesten mit "Ja, aber" beantworten. Ja, ein respektabler Teil der Flüchtlinge hat laut einer Studie Arbeit, aber eben nicht alle, die sich das erhofft hatten. Ja, jeder zweite hat deutsche Bekannte, aber jeder zweite eben auch nicht - und Frauen haben noch viel seltener Kontakte in die deutsche Gesellschaft hinein. Und ja, die meisten Kinder mit Fluchterfahrung sprechen mit ihren Freunden Deutsch und fühlen sich wohl in der Schule. Aber im Sportverein und der Schul-AG sind sie unterrepräsentiert.

Nachdem es zunächst um Feldbetten in Turnhallen ging, geht es jetzt um gute Schulen, Ausbildungsplätze, leistungsfähige Verwaltungen, offene Arbeitgeber - und um Geduld und Toleranz. Also um all das, um das es ohnehin gehen sollte in einer modernen Gesellschaft. Und das ist letztlich dann doch eine ziemlich gute Nachricht.

© SZ vom 20.08.2020

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