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Integration:Bamf stellt sich auf 300 000 Zuwanderer für dieses Jahr ein

Frank-Jürgen Weise

Bamf-Leiter Frank-Jürgen Weise auf der Bundespressekonferenz im Februar 2016.

(Foto: dpa)
  • Bamf-Leiter Frank-Jürgen Weise spricht in einem Interview über die Situation von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
  • Es werde lang dauern und teuer werden, so viele Menschen in Arbeit zu bringen, sagt Weise.
  • Für das laufende Jahr rechnet er mit deutlich weniger Zuwanderern als noch 2015.

Der Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Frank-Jürgen Weise, erwartet hohe Kosten für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. "Es wird lange dauern und viel kosten", sagte Weise der Bild am Sonntag. 70 Prozent derer, die seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr nach Deutschland gekommen sind, seien zwar erwerbsfähig, doch werde "ein Großteil von ihnen zunächst in die Grundsicherung fallen, bevor wir sie in Arbeit bringen".

Der Anteil der Akademiker unter den Flüchtlingen und Migranten liege seiner Schätzung nach bei etwa zehn Prozent, sagte Weise. Rund 40 Prozent hätten Arbeitserfahrung, wenn auch keine Berufsausbildung. Da auch Hilfstätigkeiten besser seien als keine Arbeit, setze das Bamf trotz der oft geringen Qualifikation "alles dran, die Menschen möglichst schnell in die Jobcenter zu bringen", sagte Weise.

Der Bamf-Leiter äußerte in dem Interview Verständnis für Bedenken in der Bevölkerung. "Natürlich ist die Situation für viele belastend. Niemand hat sich gewünscht, dass Menschen zu uns flüchten müssen", sagte Weise. "Wir brauchen diese Menschen auch nicht zur Deckung unseres Fachkräftebedarfs. Trotzdem war die Entscheidung richtig, in einer humanitären Notlage zu helfen."

Trotz aller Schwierigkeiten ist Weise optimistisch, die Aufgabe erfolgreich zu bewältigen: "Wir schaffen das. Vieles, was am Anfang schlecht lief, können wir inzwischen ziemlich gut. Und die Konjunktur in Deutschland ist Gott sei Dank so gut, dass wir uns das leisten können." Auch seien im vergangenen Jahr weniger Menschen gekommen als gedacht, da einige doppelt registriert worden und andere weitergereist seien.

Wie viele Zuwanderer 2016 nach Deutschland kommen, dazu will Weise keine Prognosen abgeben, das sei Sache des Innenministeriums. Aber: "Wir stellen uns auf 250 000 bis 300 000 Flüchtlinge in diesem Jahr ein, darauf richten wir unsere Kapazitäten aus." Sollten mehr Menschen kommen, käme seine Behörde unter Druck. Allerdings seien selbst dann nicht wieder Zustände wie im letzten Jahr zu erwarten, erklärte Weise. "Aber die Verfahren würden länger dauern, als von uns angestrebt."

© SZ.de/AFP/mkoh/ees/ghe

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