Ein kleiner Kreis ehemaliger Beamter des Reichsministeriums sollte 1949 unter strengster Verschwiegenheit eine Vorschlagliste für künftige Beamte erarbeiten. Das Fazit der Truppe war ernüchternd: Man könne ein neues demokratisches Bundesministerium des Innern kaum ohne ehemalige NSDAP-Mitglieder aufbauen. Der ehemalige Ministerialrat Erich Keßler vermeldete: "Die Vorbesprechungen haben ergeben, dass nach Fähigkeit, Haltung und Alter geeignete Beamte ohne jede Verbindung zu Parteiorganisationen nur in gänzlich unzulänglichem Maße zur Verfügung stehen". Die NS-Vergangenheit kam als Ausschlusskriterium für die Experten nicht in Frage.
Innenministerien von BRD und DDR:Auf die Erfahrung der Altnazis wollte man nicht verzichten
- Zwischen 1949 und 1970 waren im Schnitt die Hälfte der Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums ehemalige Mitglieder der NSDAP. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie.
- In der Frühzeit der Bundesrepublik wollte man auf die Berufserfahrung der Beamten nicht verzichten.
- Auch im Innenministerium der DDR war der Anteil von Altnazis mit 14 Prozent höher als bisher bekannt.
Von Katrin Langhans, Berlin


