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Innenminister Hans-Peter Friedrich:Er will doch nur gut sein

Seit dem Eklat um die Bundespolizeispitze steht Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich unter kritischer Beobachtung. Immerhin: Friedrich müht sich in einem Amt, das er nie haben wollte. Die Frage ist nur, ob ihm seine angenehme Art hilft - oder eines Tages noch richtig schaden wird.

Im beruflichen Leben von Bundesinnenministern sind schöne Tage selten. Die darf sich der Minister anstreichen im Kalender, um dann von den Erinnerungen zu zehren, im ganz normalen und ziemlich unschönen Alltag. Auch die heiteren Stunden des derzeitigen Amtsinhabers Hans-Peter Friedrich (CSU) sind sparsam gesät. Das liegt auch, aber keineswegs nur, an ihm selbst.

German Weekly Cabinet Meeting

Wäre er nicht so freundlich, hätte er dieser Tage womöglich noch mehr Probleme: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.

(Foto: Getty Images)

Jeder Innenminister, so formuliert es ein wahrer Kenner der Materie, habe es "den lieben langen Tag nur mit Scheiße zu tun". Polizei, Nachrichtendienste, Affären, Personalquerelen, Anschlagswarnungen, und so weiter. Mit dem Verfassungsschutz und dessen Affären hatte Friedrich auch in dieser Woche viel zu tun. An diesem Freitag wird er im Bundesamt in Köln Ideen für eine Reform des Dienstes vorstellen.

Der Inlandsgeheimdienst ist bekanntlich das, was man in der Diktion des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber einen Problembären nennen müsste. Die Opposition, einige FDP-Politiker und manche in den Unionsreihen finden, auch Friedrich sei ein Problembär. Weil er mit seiner Hauptaufgabe, der inneren Sicherheit, fremdele - und dies mit dem unprofessionell organisierten Wechsel an der Spitze der Bundespolizei unter Beweis gestellt habe. Friedrich weiß genau, dass seine Arbeit in den nächsten Monaten so kritisch beobachtet werden wird wie allenfalls die der Kanzlerin.

Ihm obliegt eine Herkulesaufgabe. Er muss Ordnung in die deutsche Sicherheitsstruktur bringen nach dem Skandal um die Neonazi-Mordserie. Zugleich hat er eine tragende Rolle in der ebenso strittigen wie schwierigen Frage eines neuen NPD-Verbotsverfahrens. Bis Anfang Dezember soll entschieden werden. Je näher die Wahlen 2013 rücken, im Bund und in Bayern, wird auch die CSU, insbesondere ihr Chef Horst Seehofer, Rolle und Bedeutung Friedrichs im Amt taxieren. Keine schönen Zeiten. Also die netten Momente genießen.

Samstag, Turnierwiese im niederbayerischen Landshut. Dort wird alle vier Jahre in einem historischen Spektakel an die Hochzeit des bayerischen Herzogs Georg des Reichen mit der polnischen Königstochter Hedwig Jagiellonica von 1475 erinnert. In diesem Sommer wird nicht geheiratet, sondern gehämmert. Das Technische Hilfswerk (THW) sucht seinen Jugendmeister, also jene Truppe, die immer dann zur Stelle ist, wenn sich in Deutschland oder dem Rest der Welt ein Unglück oder eine Katastrophe ereignet haben. 16 Mannschaften treten gegeneinander an, sie zeigen, dass sie Verletzte bergen können, und vieles andere mehr.

Lieber THW-Jugend als Geheimdienstler

Der Minister schaut zu. Und strahlt. "Ich bin stolz auf diese THW-Jugend", sagt er. Dienst am Nächsten, das sei doch sehr charakterbildend. Fast fünf Stunden Zeit nimmt er sich für diesen Besuch; er sagt, er habe sich schon lang darauf gefreut. Klingt wie eine Schmeichelei an die THW-Honoratioren fortgeschritteneren Alters in den wenig kleidsamen taubenblauen Dienstjacken, die den Minister, wie bei solchen Gelegenheiten üblich, umschwärmen. Ist es aber nicht.

Spitze Zungen in der Hauptstadt behaupten, Friedrich interessiere sich im Amt eigentlich in Wahrheit nur für das THW sowie den Kampf gegen die Cyber-Kriminalität. Er würde das bestreiten. Aber in Landshut fühlt er sich sehr wohl. Junge Leute, die ihre Freizeit dem Gemeinwohl widmen, sind sicherlich erbaulicher als Geheimdienstler mit ihren dubiosen Affären.

Eine Landshuterin, Mutter zweier kleiner Kinder, drängt sich energisch zu Friedrich durch und klagt, die Schulwege der Stadt seien alles andere als sicher. Der Bundesinnenminister ist bekanntlich für vieles zuständig, vom Melderecht bis hin zum Terror-Alarm. Für Landshuter Schulwege allerdings nicht. Friedrich antwortet freundlich, dass sie ihren beiden Kindern doch mitteilen solle, der Bürgermeister werde sich dieses Problems annehmen. Die Mutter ist zufrieden. Klar, Friedrich ist CSU-Politiker, und man ist hier in Niederbayern. Aber Friedrich ist von Natur aus ein sehr freundlicher Mensch, kein Kalkulierer. Er hätte auch jeder aufgeregten Mutter außerhalb Bayerns, auf Amrum oder in Oer-Erkenschwick, zugesagt, dass er sich kümmert. Und er würde das Versprechen sicher auch halten.