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Innenminister Friedrich:Mindestens 50 Deutsche kämpfen in Syrien

Der Bürgerkrieg in Syrien zieht zahlreiche Kämpfer aus dem Ausland an. Innenminister Friedrich geht davon aus, dass mindestens 50 Deutsche dort kämpfen. Wenn sie nach Europa zurückkehrten, seien sie "tickende Zeitbomben".

Am syrischen Bürgerkrieg nehmen mindestens 50 Kämpfer aus Deutschland teil. Davon geht Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich aus. Wie der CSU-Politiker im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte, sind auch aus anderen EU-Ländern junge Männer in vergleichbarer oder gar höherer Zahl zum Kampf nach Syrien gezogen.

Von den ausländischen Kämpfern gehe große Gefahr für Europa aus, so Friedrich. "Diese Leute gehen mit hoher Entschlossenheit nach Syrien und lernen dort ein tödliches Handwerk, mit dem sie ihren Hass in die Tat umsetzen können - tickende Zeitbomben also, wenn sie nach Europa zurückkehren."

Anfang April hatte das King's College in London eine Studie veröffentlicht, die ähnliche Ergebnisse liefert. US-Terrorexperte Aaron Zelin, einer der Autoren der Studie des "International Centre for the Study of Radicalisation" (ICSR), kam dabei zu dem Ergebnis, dass bisher bis zu 600 Kämpfer aus 14 Ländern an dem Konflikt beteiligt waren - darunter Menschen aus Großbritannien, Österreich, Spanien, aus den Benelux-Staaten und aus Deutschland.

Die Europäer machten fast zehn Prozent der ausländischen Kämpfer in Syrien aus. Zwischen 2000 und 5000 sollen in den Bürgerkrieg involviert sein.

Die Studie betonte jedoch, dass nicht alle der erfassten Kämpfer Dschihadisten seien: Als am häufigsten genannte Motive für den Kampfeinsatz listet sie aufrüttelnde Bilder aus dem Bürgerkrieg und Berichte über Gewalttaten des Regimes auf. Außerdem spiele das Gefühl eine Rolle, dass die internationale Gemeinschaft dem Konflikt nicht genügend Aufmerksamkeit schenke.

So kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass "das Ausmaß, in dem der syrische Konflikt Muslime weltweit mobilisiert hat, signifikant ist, und mit den Konflikten im Irak in den nuller, in Bosnien in den neunziger und Afghanistan in den achtziger Jahren verglichen werden kann".

© Süddeutsche.de/dpa/rela
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