Inklusion Bildungsquiz

64 000 Euro gewann eine Schule bei der TV-Show "Wer wird Millionär?". Und das Geld soll nicht für eine Klassenfahrt ausgegeben werden, sondern für etwas, was eigentlich die öffentliche Hand bezahlen müsste: einen Behindertenlift.

Von Johann Osel

Wofür wurden 2014 insgesamt 67 763 private Anträge gestellt? Für Asyl, Rente, Einsicht in Stasi-Akten oder Elterngeld? Die Frage war so knifflig, dass am Montag ein Team bei der Lehrer-Schüler-Variante von "Wer wird Millionär?" aufgab. Roman Röhl, 17, und Geschichtslehrerin Dagmar Ahlers vom Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium in Köln gewannen dann 64 000 Euro. Mit dem Geld wolle man behinderten Schülern helfen, sagten sie. Es sei aber zu wenig für einen Lift, der Rollstuhlfahrer in die Turnhallen bringt, die nur per Treppe erreichbar sind. Eine anrührende Geschichte. Und wohl eine Frage bei vielen Zuschauern: Wieso kommt dafür nicht der Staat auf?

Im Fokus der Inklusion, also des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Handicap, stehen oft Schüler mit geistiger Behinderung, Lern- und Sprachstörung: Sie machen 70 Prozent aller Förderkinder aus. Für sie sind in Regelschulen neue Lehrer sowie neue Konzepte nötig; Schätzungen gehen bei konsequenter Inklusion von Hunderten Millionen Euro im Jahr zusätzlich aus - ohne Baukosten. Diese übernehmen, wie etwa auch Schulbus und Bücher, in der Regel die Kommunen. Strittig ist der Ausgleich von Kosten, die den Schulträgern durch ein Landesgesetz entstehen - das "Konnexitätsprinzip". Viele Städte warnten schon vor Überforderung durch Inklusion, mancherorts haben sie geklagt.

In NRW, wo die Quiz-Schule sitzt, gibt es Pauschalzahlungen vom Land. Ob diese in der Fläche und auf Dauer reichen? Der Kölner Schulleiter sagt: "Wir tragen zwar das Etikett inklusive Schule, de facto sind wir das aber nicht." Der Gewinn sei nun "ein Anfang". Richtige Antwort übrigens: Stasi-Akten.